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Chemin de fer du Jura

Fast noch unbekannt sind unter den Schweizer Schmalspurbahnen die Chemins de fer du Jura, zu deutsch Jurabahnen. Das mag wohl an der etwas peripheren Lage in der französischen Schweiz liegen. Von Deutschland erreicht man den Jura über Basel und Delsberg, der Anschluß an die Jurabahn erfolgt derzeit noch in Glovelier. Aus Richtung Bern gelangt man über Biel nach Tavannes zur Jurabahn. Für die Südwestschweiz ist La Chaux-de-Fonds der Umsteigebahnhof zu den Jurabahnen. Die CJ, wie sie abgekürzt werden, verkehren nicht nur im Kanton Jura, dem jüngsten Schweizer Kanton, sondern auch in Teilen von Bern und Neuenburg. Weniger bekannt ist auch, daß die CJ nahe der französischen Grenze ein Stück Normalspurbahn nach Bonfol betreiben. Dieses Inselstück der CJ soll hier in der Folge aber nicht näher behandelt werden.

Die Geschichte der CJ

Das heutige Netz der CJ entstand 1944 durch Fusion mehrerer Bahnen: 1) Chemin de fer Tavannes-Le Noirmont. 16.8.1884 Tramelan-Tavannes (TT). 22.3.1907 Verlängerung nach Le Noirmont, Gesellschaft Tramelan-Les Breuleux-Le Noirmont 1926 Zusammenschluß zur CTN (Chemin de fer Tavannes-Le Noirmont) und 1913 Elektrifizierung 2) Chemin de fer Saignelögier-La Chaux-de Fonds; 7.12.1892 Inbetriebnahme der SC 3) Chemin de fer Porrentruy-Bonfol; 13.7.1901 Eröffnung als Normalspurbahn (RPB) 4) Chemin de fer Saignelegier-Glovelier (RSG); 1907 Bau als Normalspurbahn (!)

Reorganisation im Jura

Als im Jahre 1939 durch das Privatbahnhilfegesetz ein Betrag von 125 Millionen Franken für technische Erneuerungen der schweizer Privatbahnen zur Verfügung gestellt wurde, meldeten sich die RSG und die RPB für eine Bundeshilfe an, da die Bahnstrecken bei allen oben genannten Gesellschaften in bedenklichem Zustand waren. Jede Bahn für sich wies jedoch nicht die dazu erforderliche Bedeutung auf, weshalb man einen Zusammenschluß mehrerer Bahnen forcierte. Die TBN wollte sich dabei aber zuerst ausschließen. Dennoch gelang im Jahre 1944 die Fusion, wodurch eine erhebliche Bundeshilfe möglich wurde. Die technische Erneuerung war nun Sache der neuen Jurabahnen, die mehrere Projekte ausarbeiteten. Schließlich wurde zur Vereinheitlichung des Netzes die Strecke Saignelegier-Glovelier auf Meterspur umgebaut und das zusammenhängende Schmalspurnetz mit 1500 V-Gleichstrom elektrifiziert. Damit war die heutige Struktur der Jurabahnen hergestellt.

Die Strecken
1 Tavannes - La Noirmont
Tavannes ist Verwaltungssitz und Ausgangspunkt des Jurabahnnetzes mit Kilometer 0,0. Die Bahnanlagen neben der SBB-Normalspur sind sehr bescheiden (wie fast alle Stationen der CJ), dennoch sind Umlademöglichkeiten und eine Rollschemelanlage vorhanden, eine Standardausrüstung, die wir bei allen drei Übergangsbahnhöfen zur SBB finden. Mit 40 Promille Steigung geht es hinauf nach Tramelan. Etwa auf halber Strecke legt sich der Hang zurück, die Ausweiche Orange wird passiert. In Tramelan ist eisenbahntechnisch einiges los, sind doch ein Depot und die Hauptwerkstätte hier angesiedelt. Trotzdem sind nur wenige Weichen nötig, um alle Gleise zu verbinden, ein ideales Vorbild also für Modellbahnanlagen. Die Stadt Tramelan ist von der Jugendstilarchitektur geprägt. Die CJ-Strecke bahnt sich ihren Weg in einer Doppelkehre mit 50 Promille Steigung durch die am Steilhang liegende Stadt. Nach Las Reussilles ändert sich die gebirgige Umgebung schlagartig in eine Hochebene um. Erst in Les Breuleux muß in einer weiteren Doppelkehre viel Höhe wie in Tramelan bezwungen werden. Nach dem Kulminationspunkt senkt sich die Strecke gemächlich durch einen Wald in die Hochebene von Le Noirmont (Franches-Montagnes) ab, wo die Verknüpfung mit den anderen CJ-Schmalspurstrecken stattfindet.

2 Glovelier - Saignelegier
Im bescheidenen Ort Glovelier besteigt man den Zug der CJ auf dem Stationsvorplatz, von wo aus auch die Busse der CJ in verschiedene Richtungen verkehren. Die Bahnlinie schwenkt sofort nach der Station in ein Seitental ein und klettert mit immerhin 25 Promille durch die Jurafelsen nach Combe-Tabeilion, der wohl letzten Spitzkehre der Schweiz. High tech sorgt hier für einen sicheren Betriebsablauf, auf den wir später noch zurückkommen. Die weiter den Hang entlang führende Strecke erreicht bald eine offene aber enge Kehre, wodurch der Zug nochmals die Richtung ändert. Jetzt beginnt der wildeste Abschnitt im CJ-Netz. Bis Bollement werden alle acht Tunnels der CJ passiert, ebenso Brücken und viele Stützmauern. Dabei hat man einen grandiosen Ausblick auf die zerklüftete Juralandschaft. Oberhalb Bollement durchqueren wir dann noch ein sumpfiges Gebiet, ehe die Franches-Montagnes erreicht wird.

bild cj4.jpg3 La Chaux de Fonds Le Noirmont-Saignelegier
Moderner Baustil und französisches Flair beherrschen das Stadtbild von La Chaux-de-Fonds. Die CJ-Strecke bahnt sich ihren Weg zunächst über die Straße, ehe sie auf eigener Trasse den Talhang hinaufklettert (übrigens alles ohne Zahnstange). Vor La Ferriere steht der größte Viadukt der CJ, ein modernes Betonbauwerk von 1978, das aber bereits die Bedeutung eines Wahrzeichens der CJ erlangt hat. Die Strecke nach La Noirmont führt ständig durch Wiesen und ist daher sehr übersichtlich. Das Höhenprofil ist aber keineswegs ausgeglichen. In Le Noirmont werden die Anschlüsse in den Relationen Saignelegier-Tavannes und La Chaux de Fonds - Glovelier hergestellt. Die dicht befahrene Strecke bis nach Saignelegier führt weiter durch die Hochebene auf etwa 1000 m Meereshöhe. In Saignelegier selbst ist die größte Stationsanlage der CJ durch Umbau Ende der Achtziger Jahre entstanden. Das moderne Depot beherbergt einen Großteil der CJ-Fahrzeuge. Außerdem finden wir das Magazin und den Bahndienst vor Ort. Quelle LGB Depesche