Der Metropolitan Express

Der Metropolitan ist eines der Prestigeobjekte der Deutschen Bahn. Viermal täglich verkehrt der Luxuszug auf der Strecke Hamburg – Köln mit nur zwei Zwischenstopps in Essen und Düsseldorf. Wir haben die vollmundigen Versprechungen von "erstklassigem Service, Ausstattung und Design" bei einer Testfahrt von Hamburg nach Köln auf die Probe gestellt.

Verspätung - das fängt ja gut an

Ganz ohne Verspätungen scheint es auch beim Metropolitan nicht zu gehen: Ein Böschungsbrand verzögert die für 15.17 Uhr geplante Abfahrt in Hamburg um 15 Minuten. Das geht ja gut los. Also auch beim Vorzeigezug der Bahn alles beim Alten? Nicht ganz: Entgegen sonstiger Gepflogenheiten wird der Gast per Durchsage sofort informiert, warum sich die Abfahrt verzögert und für wie lange. Der Komfort des Zuges entschädigt zusätzlich: Die Ledersitze sind riesig und äußerst bequem, das Ambiente in edlem Holz luxoriös. Der Service lässt ebenfalls kaum Wünsche offen: Wie im Flugzeug werden Speisen und Getränke an den Platz gebracht, die Zugbegleiter sind um das Wohl ihrer Gäste bemüht.

Hamburg - Köln in dreieinhalb Stunden

Dieser Service soll vor allem Geschäftsreisende dazu bringen von Auto oder Flugzeug auf die Bahn umzusteigen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Luxuszug braucht von Hamburg nach Köln nur knapp dreieinhalb Stunden. Die Strecke in der gleichen Zeit mit dem Auto zu bewältigen ist gerade am Wochenende schier unmöglich. Rechnet man beim Flugzeug die lange An- und Abreise von und bis zum Flughafen dazu, ist diese Zeit ebenfalls nicht zu toppen. So steigt man bequem mitten im Zentrum in den Metropolitan und im Zentrum wieder aus – perfekt.

IC eher dürftige Alternative

Gäbe es den Metropolitan nicht, sähe die Alternative der Bahn auch eher düster aus. Einen direkten ICE zwischen Hamburg und Köln gibt es nicht. Will man den Komfort eines ICE haben, ist Umsteigen in Hannover angesagt. Und selbst dann braucht der Hochgeschwindigkeitszug mit vier Stunden und 15 Minuten eine viertel Stunde länger als ein normaler IC, der direkt zwischen den beiden Großstädten pendelt und fast 30 Mark billiger ist.

Ganz so preiswert ist das Vergnügen im Metropolitan nicht zu haben: Der Grundpreis für eine einfache Fahrt von Hamburg nach Köln beträgt 198 Mark – die Bahncard wir nur zu 25 Prozent angerechnet. Klingt ganz schön happig. Dafür bekommt man aber auch einiges geboten: Der Sitzplatz ist in jedem Fall reserviert, die Buchung der Fahrt erfolgt über ein eigenes Call-Center ohne großen Verwaltungsaufwand. Die veralteten Fahrkarten der Bahn sind überflüssig, auf einer Liste wird vermerkt, wer mitfährt. Ohne Gebühr kann bis kurz vor Abfahrt noch umgebucht oder storniert werden. Speisen und Getränke sind im Preis inbegriffen, es gibt nur eine Klasse – die erste – die in drei Kategorien unterteilt ist: Office, Silence und Club.

Drei Kategorien machen das Reisen leichter

Der Office-Bereich ist ideal für Geschäftsreisende, die im Zug arbeiten wollen, im Silence-Bereich kann man ungestört ein Nickerchen machen und im Club-Bereich kann man sich kostenlos Kinohits auf DVD anschauen. Alle drei Kategorien sind gleich teuer. Ab Herbst wird der Zug um den Bereich "Traveller" erweitert. Dann sollen Pendler zu einem ermäßigten Fahrpreis von 140 Mark angelockt werden, allerdings fallen dann Serviceleistungen wie kostenlose Speisen weg.

Fazit

Trotz der leichten Verspätung am Anfang war ich insgesamt von der Metropolitan-Fahrt begeistert. Wer die nervige Strecke zwischen Hamburg und Köln kennt weiß, dass eine Bahnfahrt immer noch das kleinere Übel ist. Der Zeitvorteil von 40 Minuten gegenüber eines normalen IC scheint auf den ersten Blick nicht so gigantisch zu sein, doch gerade im IC glaubt man ab Dortmund eigentlich nicht mehr daran, jemals in Köln anzukommen. Dann hält der InterCity nämlich im Viertel-Stunden-Takt in allen Ruhrpott-Metropolen. Mit dem Metropolitan ist nur ein Zwischenstopp in Essen und Düsseldorf angesagt und die Fahrt kam mir dank des Films "Spacecowboys" nur halb so lange vor. Und: Auf der Rückfahrt klappte dann alles hervorragend – ohne Böschungsbrand.

Autor Jens Maier

Quelle: Stern 2001