Die Rügensche Kleinbahn

Die Rügensche Kleinbahn GmbH & Co. (RüKB), Betreiber der Schmalspurbahn Rasender Roland auf der Insel Rügen, hat am 27.1.98 mit dem Landkreis Rügen und dem Land Mecklenburg-Vorpommern, das durch die Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (VMV) vertreten wird, zwei wichtige Verträge abgeschlossen. Im Salonwagen des Rasenden Roland im Bahnhof Putbus unterzeichneten die Geschäftsführer der Rügenschen Kleinbahn Bernhard van Engelen, und der VMV, Knut E. Steffen, sowie die Landrätin des Landkreises Rügen, Dr. Karin Timmel, die Verträge. Der Verkehrsvertrag mit dem Land schafft die Grundlagen für eine Anerkennung der Schmalspurbahn als Schienenpersonennahverkehrsmittel. Aufgrund der Vereinbarung bestellt nun nicht mehr der Kreis, sondern die VMV im Auftrag des Landes bei der Rügenschen Kleinbahn Verkehrsleistungen im Umfang von etwa 132.000 Kilometern pro Jahr. Außerdem werden Qualitätskriterien beispielsweise für Pünktlichkeit und Sauberkeit festgeschrieben. Der Vertrag hat eine Laufzeit von zehn Jahren, eine Verlängerung um sieben Jahre ist geplant. Wie Bernhard van Engelen für die Rügensche Kleinbahn erklärte, schafft die Vereinbarung Rahmenbedingungen für das erforderliche Investitionspaket in Höhe von fast 50 Millionen Mark. Dazu gehört neben der Rekonstruktion des rollenden Materials auch die komplette Erneuerung der ca. 24 Kilometer langen Schienenstrecke zwischen Gören und Putbus. So wird die Rügensche Kleinbahn beispielsweise das zum Teil noch in Sandbettung liegende Gleis auswechseln. Auch die Trassierung will das Unternehmen erneuern und dabei die Kurvenradien ausweiten.

Um die im Nahverkehrsplan für die Insel vorgesehene Taktverdichtung für den Rasenden Roland von zwei Stunden auf eine Stunde zu erreichen beabsichtigt die Rügensche Kleinbahn außerdem moderne Dieselleichttriebwagen anzuschaffen. Sie sollen im Mischbetrieb mit den Dampflokomotiven fahren. Um ihren Einsatz zu ermöglichen wird zuvor im Zuge der Gleisbauarbeiten die Streckengeschwindigkeit von 30 auf 50 Stundenkilometer erhöht. Bernhard van Engelen: Wir streben an, daß alle Arbeiten in spätestens drei Jahren abgeschlossen sind. Die Investitionssumme wird zu 75 Prozent vom Land übernommen. 25 Prozent finanziert die Rügensche Kleinbahn. 24 Millionen Mark sind für die Sanierung der Strecke eingeplant. Sieben Millionen Mark gehen in die Rekonstruktion der Dampfloks und Waggons und sechs Millionen Mark sind für drei neue Dieselleichttriebwagen vorgesehen. Hierfür kommen zum Beispiel Fahrzeuge der österreichischen Firma Jenbacher oder der Deutschen Waggonbau AG in Betracht.

Die Vereinbarung mit dem Kreis regelt unterdessen die Übereignung des rollenden Materials an die Rügensche Kleinbahn. Zugleich werden dem Unternehmen die dauerhaften Nutzungsrechte an Betriebsgrundstücken und Gleisanlagen eingeräumt. Vereinbart wurde die Einräumung eines Erbpachtrechts für 99 Jahre. Die Bahnhöfe und Zugangsstellen bleiben Eigentum des Landkreises und werden von ihm unterhalten. Der Kreis behält auch das Vorkaufsrecht an der Bahn, falls der Verkehrsvertrag mit der VMV endet.

Weiterhin wird eine Kooperation im Verkehrs- und Touristikbereich festgeschrieben. Für die Bahnhöfe an der Inselstrecke erhofft sich die Rügensche Kleinbahn, daß Betreiberkonzepte entwickelt werden können, beispielsweise für neue Formen bahnbezogener Erlebnisgastronomie. Der Kreis plant außerdem eine Verlängerung der Strecke nach Lauterbach. Sicher ist, daß alle historischen Dampflokomotiven und Reisezugwagen (einschließlich der Lokomotiven und Waggons, die im Besitz von Walter Seidensticker sind) auch in Zukunft auf Rügen fahren werden. Für ihre Wartung soll in Putbus eine neue Werkstatt eingerichtet werden.

Nach einer rekordverdächtig kurzen Bauzeit eröffnete die Rügensche Kleinbahn GmbH & Co (RÜKB) in Putbus auf Rügen das erste Teilstück der rekonstruierten Strecke von Binz nach Seelvitz. Das Startsignal für eine Sonderfahrt aus Anlaß der Eröffnung gaben Rainer Prachtl, Präsident des Landtages Mecklenburg-Vorpommern, und RüKB-Geschäftsführer Bernhard van Engelen: Auf dem Führerstand einer Dampflok führten sie den ersten offiziellen Zug, der aus dem Kleinbahnhof Binz auf die erneuerte Trasse rollte. Damit wurde ein erster maßgebender Abschnitt der Rundumerneuerung der Schmalspurbahn erfolgreich abgeschlossen.

Im Zuge der Bauarbeiten mußte auf dem 4,75 km langen Teilstück der insgesamt 24,3 km langen Strecke von Putbus nach Göhren der komplette Gleiskörper ausgewechselt werden. Statt des alten Sandbetts bekam die Kleinbahn ein neues Schotterbett. Dafür mußte die einzige in Deutschland existierende, für Schmalspur geeignete Stopfmaschine per Tieflader nach Putbus transportiert werden, ebenso zwei Schotter-Selbstentladewagen. Im gleichen Zuge wurden die verrotteten Weichholzschwellen durch neue Hartholzschwellen ersetzt. Anstelle der Kleinbahnschienen vom Typ S 33 aus den Walzjahren 1895 bis 1905 fährt der Rasende Roland nun auf neuen 40 m Schienenstücken Bauart S 54. Das neue Material sichert den Fortbestand des Schienenweges für die nächsten Jahrzehnte und mindert den Verschleiß an Dampfloks und Wagen erheblich.

Aber nicht nur Gleis, Schotter und Schienen erneuerte die RÜKB. An fünf Stellen wurden gleichzeitig die Kurvenradien der Gleisbögen erweitert. Umfangreiche Erdbewegungen waren hierfür erforderlich. Großgeräte, wie zum Beispiel ferngesteuerte Raupen, kamen dabei zum Einsatz. Dadurch kann die Kleinbahnstrecke künftig auch von modernen Dieselleichttriebwagen mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h befahren werden. Ab dem Fahrplanwechsel 2001 sollen sie erstmals zur Taktverdichtung beitragen und den historischen Dampflokbetrieb ergänzen. Die kurze Bauzeit (sie bedeutete für alle Beteiligten eine erhebliche Kraftanstrengung) war notwendig, da der Umbau erst mit dem Ende der Frostperiode begonnen werden konnte und zum Saisonbeginn abgeschlossen sein mußte. Das war nur durch das mustergültige Zusammenwirken aller beteiligten Unternehmen möglich. Alle Bauaufträge konnte die RÜKB nach dem Ergebnis der Ausschreibung an mittelständische Unternehmen vor Ort vergeben. So ergaben sich kurze Wege der Abstimmung und Entscheidung, wie van Engelen erklärte. Hervorragend war vor allem die hohe Präzision bei der Einhaltung der Termine ergänzte der RüKB-Geschäftsführer. Auch die vorbildliche Mitwirkung aller öffentlichen Stellen lobte er ausdrücklich. Vom Landkreis über den Landesbevollmächtigten für die Bahnaufsicht bis hin zum Wirtschaftsministerium und der Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern habe jeder dazu beigetragen, daß die erforderlichen Genehmigungen und der Förderbescheid für die Baumaßnahme in Rekordzeit erstellt worden war. Insgesamt investierte die RÜKB an die fünf Millionen Mark in die Rekonstruktion des Gleisabschnitts.