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Die Ohsa-Bahn

Schwedische Schmalspurbahnen sind für einen Großteil von Eisenbahnfans immer noch Neuland. Vor allem auch deshalb, weil in der Vielzahl von Eisenbahnzeitschriften selten etwas über sie zu erfahren ist. Dabei gibt es inzwischen 15 solcher museal betriebenen Bahnen, welche vorrangig im schwedischen Süden zwischen Göteborg und Stockholm gelegen, vorausgesetzt man hat die Ostsee überquert, durchaus günstig zu erreichen sind.

So vielseitig wie die Fahrzeuge in Schweden, sind dort auch die Spurbreiten. Zu den uns geläufigen 600 mm kommen hier exotische 660, 700 und vor allem 891 mm, welche neugierig machen. Doch wir bleiben bei der vertrauten Schienenbreite von 600 mm und besuchen die inmitten des schwedischen Südens nahe des Städtchens Värnamo gelegene 14,5 km lange „Ohsabahn". Gleich vorweg: Die Ohsabahn kann man landschaftlich betrachtet, durchaus mit der uns vertrauten „Muskauer Waldeisenbahn" vergleichen, denn Wälder und Seen und eine dünn besie delte Gegend sind ein Markenzeichen der Strecke. Was dageger der „Muskauer" fehlt, sind die felsigen Erhebungen, die der Trasse Steigungen von bis zu 41 %o abverlangen und der urwaldähnliche Charakter, so wie ihn die Muskauer Waldeisenbahner bei sich noch vor mehreren Jahrzehnten in Erinnerung hatten.

Die Ohsabahn entstand zwischen 1907 und 1910, um vom Staatsbahnhof Bor Holz, Kohle und Schwefel zum in Ohs gelegenen Sägewerk nebst Papierfabrik anzufahren und um deren Fertigprodukte auf dem Rückweg wieder nach Bor zu bringen. 1967 wurde dieser Fahrbetrieb eingestellt, doch schon 1970 wurde ein „Ohsabahn-Verein" gegründet, um die landschaftlich reizvolle Strecke vor dem Abriss zu bewahren und diese touristisch zu betreiben. Nachdem man bereits ein Jahr später eine Dampflok erwarb, konnte ab 1972 dieser Wunsch in Erfüllung gehen. So wurde in den Sommermonaten ein museal ausgerichteter Touristenbetrieb aufgenommen. Seiher rollen für Interessenten aus allen Landesbereichen und aus Überseeländern Güter-und Personenzüge und als Besonderheit auch Nachtzüge durch die gespenstig dunklen Wälder, bei denen sicher manch Elchtier erschreckt das Weite sucht. 2 1/2 Stunden benötigt ein Zug für die Hin- -und Rückfahrt, wobei auf 9 Unterwegsstationen bei Wunsch, Bedarf oder betrieblichen Belangen auch meist gehalten wird. Für den speziellen Eisenbahnfreund ist natürlich der Ausgangsbahnhof Ohs Bruk mit seinen vielen Gleiseinrichtungen und Fahrzeugunterkünften interessant. Immerhin gehören der Ohsabahn neben 4 Dampfloks und 21 Dieselmaschinen weitere 5 Personen- und 27 Güterwagen zum Bestand. Von den 4 Dampfern ist natürlich für den deutschen Bahnfan die ehemalige Muskauer 99 3310 (0 & K 7977) am wichtigsten. Auf Umwegen 1984 nach Ohs gekommen, war sie 2004 im Einsatz und das noch weitgehend unter ihrer DR-Bezeichnung. Nahezu Typen-gleich die ex HF - Lok „Emsfors" (Hartm. 1919), welche sich in Erwartung eines neuen Kessels nur „kalt" präsentierte. Als stärkstes und auch schmuckstes Zugpferd zeigte sich 2004 die bereits 7975 von einer polnischen Zuckerfabrik erworbene Schlepptenderlok „I'olska" (0 & K 1944). Schließlich sei noch der erst kürzlich erneut aufgearbeitete B-Kuppler (0 & K 1929) erwähnt welcher einst in einem Eisenwerk wirkte und nun vorrangig als Rangierhilfe zur Verfügung steht.

Auszug aus der Zeitschrift Gartenbahn 5/2004