Die Inselbahn Wangerooge

Als Ersatz für die fast fünfzig Jahre ohne Unterbrechung im Einsatz stehenden Gmeinder Diesellokomotiven 399 101 bis 103 beschaffte die DB AG für die Inselbahn Wangerooge bei SCHÖMA in Diepholz zwei fabrikneue dieselhydraulische Rangierlokomotiven vom SCHÖMA-Typ CFL-150 DCU. Am 16.4.1999 wurden sie am Südwestkai in Wilhelmshaven an Bord des Frachtschiffs „Störtebeker“ verladen und nach Wangerooge gebracht. Mit ihrem hellroten Anstrich im Cargo-Anstrich RAL 3002 der DB AG mit schwarzen Fahrgestellen und hellgrauen Handläufen unterscheiden sie sich deutlich von den anderen (noch) weinroten Loks auf der Insel. 
Die neuen Lokomotiven 399 107 (SCHOMA 1999/ 5599) und 399 108 (SCHÖMA 1999/5600) ähneln sehr stark den bereits von SCHÖMA nach Borkum gelieferten Loks jedoch mit einigen Änderungen. Neben der anderen Spurweite (900 mm in Borkum) besitzen sie auch statt eines Rapsölmotor einen normalen Dieselmotor und die für Wangerooge typische MittelpufferHaken-Ösen-Kupplung. Beide Loks können mit Hilfe einer Funkfernsteuerung ohne Lokführer auf dem Führerstand gefahren werden. Zunächst wurde diese Steuerung in die 399 107 eingebaut. Die Testfahrten am 17. und 18.4.99 verliefen zu voller Zufriedenheit, denn der gesamte Fahr- 
betrieb einschließlich der Güterzüge wurde von beiden Neubauloks einwandfrei bewerkstelligt. Die Zugleistungen sind für zweiachsige Schmalspurloks enorm: Mit zweihundert Tonnen Anhängelast erreichen die Neubauloks auf einer Steigung von 6 % noch eine Geschwindigkeit von 16 km/h. Die Reisezugwagen 63 208 und 207 wurden am 26.2.99, 63 201 und 209 am 13.4.99 und 63 202,204 und 251 am 23.6.99 in Wittenberge generalüberholt, die andere Hälfte der Reisezugwagen ist 2000 an der Reihe. 
Seit dem Wintermonaten 1999/2000 wird im Frachtverkehr zur Insel Wangerooge ein neues Verladekonzept von der DB AG und, der Reederei Warrings praktiziert. Um die zeitraubende und umständliche Verladung der Kleincontainern und Paletten mit dem Kran zu rationalisieren, wurde ein Containersystem entwickelt, welches das Umladen vom Frachtschiff auf die Inselbahn am Schiffsanleger wesentlich vereinfacht. 
Es stehen zwei Containerarten zur Verfügung: 8 geschlossene Container mit gesickten Seitenwänden und Gardinenverschluß und 27 sogenannte „flats“, (2 von der DB AG und 25 von der Reederei Warrings), wobei es sich um offene Gestelle handelt, deren Seitenwände zum Stapeln umlegbar sind und die zusätzlich mit Rungen bestückt werden können. 10 Paletten oder Klein Container können auf einem flat untergebracht werden. Hersteller ist die Firma Griepe in Bremen. Das Eigengewicht der flats beträgt 2.800 kg, zugeladen werden können 20.000 kg. 
Voraussetzung für das Wangerooge-Cargo-Konzept waren nicht nur der Frachter Harle Gatt, der dank seiner Frontladeklappe vom Gabelstapler 
befahren werden kann, sondern auch neue Güterwagen mit ungleich höherer Ladekapazität. 
Diese elf vierachsigen Flachwagen mit den Bertriebsnummern 63 014 - 24 wurden in einer Sonderanfertigung des Dampflokwerks Meinigen/ Thüringen hergestellt. An den Fabriknummern 01 bis 11 erkennt man, daß es sich um die 
ersten eigenen Produkte des bekannten Dampflokausbesserungswerkes handelt. 
Mit einem Gesamtgewicht von 32 t nutzen die Fahrzeuge maximal das auf der schmalspurigen Wangerooge Inselbahn zulässige Achsgewicht von 8 t pro Achse aus. 
Auf der Ladeplattform besitzen die Waggons Stahlzapfen, in die die Container einrasten können, um gegen Verrutschen gesichert zu sein, und um bündig an der Verladerampe im Bahnhof Wangerooge entladen werden zu können. Jeder Wagen kann mit zwei Einheiten beladen werden. Die letzten beiden Flachwagen konnten am 26.1.2000 am Anleger von der Inselbahn in Empfang genommen werden. 
Dr Egbert Nolte