Ybbstal-Museumsbahn Kienberg-Gamin-Lunz am See


Bild ybb1 wird geladenDie in den niederösterreichischen Alpen gelegene und mit 760 mm Spurweite von Waidhofen a.d. Ybbs nach Kienberg Gaming führende, 1898 durchgehend eröffnete Ybbstalbahn ist von Anfang an in zwei voneinander getrennten Streckenteilen betrieben worden. Es sind der zuerst fertiggestellte 53 km lange im eigentlichen Ybbstal von Waidhofen nach Lunz am See verlaufende Abschnitt sowie die sich daran anschließende, weitaus schwieriger trassierte, in Kienberg-Gamin endende 18km lange Bergstrecke.

Während bis 1988 auf beiden Streckenabschnitten die Österreichischen Bundesbahnen den Betrieb durchgeführt haben, trifft das heute insofern nicht mehr zu, als die Bergstrecke 1990 zur Museumsbahn geworden ist. Verantwortlich hierfür zeichnet die bereits 1977 gegründete Österreichische Gesellschaft für Lokalbahnen (ÖGLB), deren Tätigkeit sich ursprünglich allerdings nur auf die Lokalbahn Payerbach-Hirschwang konzentrierte. Da der Verein inzwischen jedoch nahezu 400 Mitglieder hat, war eine entsprechende Ausweitung seiner Aktivitäten möglich.

Bild ybb2.jpg wird geladenObwohl diese für LGB-Bahner bestens als Vorbild geeignete, in der Fremdenverkehrswerbung auch Ötscherland-Expreß genannte Museumsbahn zweifellos zu den interessantesten Schmalspurbahnen Österreichs gehört, ist sie ausländischen Eisenbahnfreunden bisher noch relativ wenig bekannt. Dabei kann man ihren betrieblichen Ausgangsbahnhof Kienberg-Gamin über die in Pöchlarn von der Wiener Westbahn nach Süden abzweigende normalspurige Erlauftalbahn sehr leicht erreichen. Dort befindet sich dann das ausgedehnte Schmalspur Bw mit Heizhaus, Drehscheibe und Wasserturm, das kürzlich durch den mit EU-Mitteln bezuschußten Bau einer großen Fahrzeughalle erweitert wurde. Unmittelbar hinter der Bahnhofsausfahrt Kienberg-Gaming beginnt eine für österreichische Verhältnisse außergewöhnliche Steigungsstrecke, die bis zu der mit 699 m Meereshöhe den Scheitelpunkt bildenden Ausweichstation Pfaffenschlag mit maximal 32 % auf nur 1 1 km 31 1 Höhenmeter überwindet. Nachdem die Dampfloks hier Wasser genommen haben, geht es die restlichen 7 km wiederum in unzähligen engen Windungen mit durchschnittlich 20 % Gefälle zum Endbahnhof Lunz am See steil bergab, wo Anschluß an die nach Waidhofen verkehrenden ÖBB Schmalspurzüge besteht. Neben dem unvergeßlichen Erlebnis der in wildromantischer Umgebung ununterbrochen hart arbeitenden Dampflokomotiven hat aber auch die Streckenführung einige Besonderheiten zu bieten. So gibt es außer vielen Hangbrücken und bis zu 30 m tiefen Felseinschnitten vor allem zwei jeweils in 60 m Bögen liegende Stahlviadukte der in Europa seltenen Trestlework-Konstruktion, von denen die Hühnernestbrücke bei 94 m Länge 28 m hoch, die Wetterbachbrücke hingegen bei 79 m Länge sogar 35 m hoch ist. Als von verschiedenen österreichischen 760 mm Bahnen stammende Museumsfahrzeuge sind z.Zt. 2 Dampflokomotiven, 3 Dieseloks, 8 Personen und Gepäckwagen, 1 Motordraisine sowie mehrere historische Güterwagen im Einsatz. Darunter befinden sich mit der 1890 unter der Fabrik-Nr. 2256 von Krauss in Linz an die Steyertalbahn gelieferten MOLLN sowohl die älteste betriebsfähige Schmalspurdampflok Österreichs als auch mit einer 1927 in Graz gebauten dieselelektrischen Maschine (BBÖ 2070.01 bzw. ÖBB 2093.01) die erste streckentaugliche österreichische Diesellokomotive. Weitere Loks und Wagen sind in der Aufarbeitung begriffen.

Wer den Museumsbetrieb auf der Ybbstalbahn Bergstrecke kennenlernen möchte, hat dazu ab 30. Mai 1998 zunächst aller zwei Wochen samstags und sonntags sowie ab Anfang Juli bis Ende September 1998 an jedem Samstag/Sonntag Gelegenheit. Spezielle Aktionen gibt es zudem am 30./31.5.98, wenn das 100jährige Streckenjubiläum gefeiert wird.

Bild ybb3 wird geladenDiesbezügliche Informationen sind von der ÖGLB-Geschäftsstelle, Postfach 625, A-1150 Wien oder in Deutschland auch telefonisch unter 0573193899 vom Verfasser erhältlich. An weiterführender Literatur ist das im Verlag Kenning erschienene Buch „Mit Sack und Pack nach Pfaffenschlag" von Dr. W. Schiendl zu empfehlen. Hans-Jürgen Hentzschel

Quelle LGB Depesche 92