White Pass & Yukon Route
Bild 2055a.jpg wird geladen 1896 begann am Klondike eine Invasion. Gold war gefunden worden, und Tausende setzten alles auf eine Karte, um im hohen Norden Amerikas ihr Glück zu finden. Eine unglaubliche Strapaze war es, die endlose Reise anzutreten. Heute ist die Fahrt von Skagway hinauf zum White Pass und zur kanadischen Grenze ein reizvolles Vergnügen und ein Ausflug in die Geschichte des Wilden Nordens. Bevor das Bahnzeitalter anbrach, war es außergewöhnlich schwierig, den Weg zum vermuteten Reichtum anzutreten. Die Habenichtse, Jäger, Spekulanten, Spieler, Gauner, Händler und Abenteurer, aber auch biedere Familienväter kamen mit dem Schiff von Vancouver nach Skagway, der hastig erbauten Stadt am Fuße der großen Gletscher. Hier gabs Proviant und Saloons, wo man sich ein letztes Mal vergnügen konnte. Skagway ist der Ausgangspunkt zum White Pass in 1.000 Meter Höhe. Oben angekommen, wurden viele der Menschen von gnadenloser Polizei an der Grenze zu Kanada zurückgeschickt. Wer nicht wenigstens eine Tonne Überlebensproviant für ein Jahr in der Wildnis vorzeigen konnte, mußte umkehren. Hatten die Glücksritter den Aufstieg überlebt und durften weiterreisen, stand ihnen ein 60 Kilometer Marsch bis nach Lake Bennett bevor. Hier hieß es Umsteigen. In selbstgebauten Booten ging es nun den Yukon hinunter, denn bis zu den verlockenden Goldfeldern waren das immerhin noch einmal 800 Kilometer auf dem reißenden Riesenstrom. Die Mühen und Risiken, verbunden mit der äußerst vagen Aussicht auf Reichtum, nahmen dennoch Tausende auf sich. Angenehm erschauern die Touristen bei den Erzählungen des Zugstewards, wenn er die Erinnerung an die Zeiten des Goldrauschs im wilden Skagway heraufbeschwört. Die abendlichen Schießereien vor den Saloons. Die brutale Herrschaft des Soapy Smith in diesem gesetzlosen Nirgendwo. All das kann man in Skagway, der kleinen Stadt am Ende der Inside-Passage, wunderbar nachempfinden. Zwei Jahre nach Entdeckung der Goldfelder war die Entscheidung gefallen, hier am Ende der Welt eine Eisenbahnlinie zu bauen. Sir Thomas Tancrede, ein Vertreter britischer Finanziers, und Michael J. Heney, Unterhändler der kanadischen Eisenbahngesellschaft, hatten nach Überlegungen entschieden, daß sich eine Schmalspurstrecke über die steil aus dem Meer anfragenden St. Elisa-Berge lohnen müßte. Am 28. Mai 1898 war der erste Spatenstich für die White Pass & Yukon Route. Es war ein mörderisches Vorhaben. Oft mußten die Arbeiter an Felsüberhängen (wie Bergsteiger nur durch ein Seil vor dem freien Fall gesichert) den Boden für die Bahn bereiten. Die Zahl der Opfer war immens, aber unwegsames Gelände, Granitfelsen, Regen, Sturm, Eis und Kälte konnten menschlichen Willen nicht brechen. Bereits zwei Monate später wurden die ersten vier Meilen der nördlichsten Eisenbahnlinie der Neuen Welt befahren, wenn auch nur im Tal und zum Teil mitten durch Skagway.

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Mit Eispickeln, Schaufeln, Dynamit oder sogar mit bloßen Händen, aber immer das Ziel Goldland vor Augen, brachten die Arbeiter das Kunststück fertig, daß schon am 18. Februar 1899 der White Pass und knapp fünf Monate später Lake Bennett erreicht wurden. White Pass, steht auch in großen weißen Lettern auf dem eleganten Tender und auf der Dampflok selbst, die den historischen Zug zieht. 1947 in Dienst gestellt, 1964 zusammen mit anderen kraftvollen Dampfschwestern ausgemustert und durch Diesellokomotiven ersetzt, feierte sie 1982 ein triumphales Comeback. 1981 war die Lok restauriert worden und beglückt seitdem zusammen mit alten Plattform-Waggons der Jahrhundertwende, in denen Kanonenöfen für Wärme sorgen, zahllose Touristen auf harten Holzbänken, die sich auf den Weg zum White Pass machen. Unter schneeweißem Dampf stehend, ertönt die schrille Pfeife der 73, bevor sie sich auf den Weg macht. Mindestens fünfzehn Waggons rumpeln hinter ihr her. Es sind liebevoll restaurierte Zeugnisse der Eisenbahnromantik von Annodazumal. In der Regel ist der Zug zum White Pass gut besetzt, während er den Friedhof der Goldsucher - Gold Rush Cemetery - passiert. Dort sind auch solche Gangster wie Soapy Smith begraben oder der Held des Ortes, Frank Reid, der im Duell mit Soapy starb. Rasch geht die Fahrt steiler nach oben. Über den Skagway-River fährt der Zug zum Rocky Point. Von hier hat man einen schönen Blick über das historische Skagway, hinüber zu den stolzen Kreuzfahrtschiffen, die im dunklen Wasser des Fjordes liegen, umrahmt vom Mount Harding und dem Hardinq Gletscher. Zu bestaunen ist eine wilde Landschaft, die an den Bergen hängenden grünlich schillernden Eismassen, die aus ihnen gespeisten Wasserfälle, die Schluchten mal rechts und mal links vom Gleis, bevor der Zug rumpelnd den ersten Tunnel passiert.

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Bei Meile 17, lnspiration Point, heißt es die Kamera bereitzuhalten. Von hier geht der Blick wieder über das Meer und die Eiskappen der Berge. Kurz darauf liegt links der Ort eines besonders traurigen Kapitels des Goldrauschs am Klondike, die Schlucht der toten Pferde. Vor dem neuerlichen Einfahren in einen Tunnel geht es über die große Stahlbrücke, die 1901, dem Jahr ihres Baues, die größte ihrer Art weltweit war. Wenig später wird die kanadische Grenze passiert. Beste Reisezeit, um sich auf die Spuren der Goldsucher zu begeben, ist Juni bis August. Der Zug fährt täglich ab Mitte Mai bis Mitte September ab Skagway um 9.00 Uhr und 13.30 Uhr. Die Hin- und Rückfahrt dauert rund drei Stunden. Gebucht werden kann direkt über The White Pass & Yukon Route, P.0. Box 435, Skagway, Alaska 99840, USA, Telefon: 001-907-9832217, oder über Reisebüros in Deutschland. Die Fahrt kostet etwa 80 US Dollar. Weitere Informationen hält das Fremdenverkehrsbüro Alaska, Pfingstweidstr. 4, 60316 Frankfurt/Main, bereit. Telefon: 069- 440013 oder Fax 069-440014. Quelle LGB Depesche Heft 76

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