Freilandanlagen der Hersfelder Eisenbahnfreunde

Die Hersfelder Eisenbahn-Freunde haben zwei Freiland-Daueranlagen in Betrieb, mit deren Bau wir 1978 angefangen haben. Nach den Vorschlägen der LGB-DEPESCHE 29/30, die wir immer wieder mit großem Nutzen zu Rate ziehen, wurde der Unterbau bei der einen Anlage mit Hohlblocksteinen und Beton, bei der anderen mit Styropor auf Kiesbettung ausgeführt. Die notwendigen Versorgungskabel für Fahrspannung, Beleuchtung, Signale und Weichen u.s.w. wurden längs der Strecke in der Gleisbettung verlegt, außerdem alle Schienenstöße mit Kabelstückchen überbrückt, wie von der LGB-Betriebsanleitung angeraten. Ernste Witterungsschäden gab es bisher nicht. Die Anlagen werden auch im Winter befahren. Die Weichen, Entkuppler und Signale der größeren Anlage B (Länge der Strecke Ende-zu-Ende 46,6 m) können fernbedient werden, auf der anderen Anlage ist Handbedienung vorgesehen. Die Hochbauten sind, soweit es sich nicht um Industriefabrikate handelt, aus Polystyrol oder Sperrholz wetterfest ausgeführt. So sind z.B. in den Stellwerksgebäuden die Verbindungs- und Kontrollstellen der Versorgungskabel untergebracht. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind alle Gleise fertig verlegt, jedoch noch nicht gänzlich beschottert. Auch die Hochbauten sind erst zum Teil fertiggestellt.

Die Stromversorgung der Anlagen erfolgt über ebenfalls wetterfest ausgeführte Schaltpulte, wobei letzteres bei der Anlage B in Form eines Gleisbildstellwerkes aufgebaut wurde. Von hier können die Züge über einen eingebauten LGB-Regler gesteuert und -soweit vorgesehen - elektromagnetische Artikel fernbedient werden. Da wir neben den regulären LGB-Triebfahrzeugen inzwischen auch mehrere selbstgebaute Lokomotiven haben, erhob sich bald die Frage nach einer Fern- oder Mehrzugsteuerung, zumal wir nicht genügend ab schaltbare Abstellgleise hätten einrichten können. Wir einigten uns, grundsätzlich nur ,auf Sicht" zu fahren, so dass es auf den Anlagen keine automatische Zugbeeinflussung gibt. Die Erfahrung zeigte dann, dass man sich in der Regel doch immer nur mit einem Zug befassen kann, zumal wenn man den Zug mit Funkfernsteuerung begleitet (siehe unten). Wir entschieden uns für die Fernsteuerung FS 80 vorgestellt in der LGB-DEPESCHE Nr. 37. Sie ermöglicht es, jede Lok an jeder beliebigen Stelle der Gleisanlage abzuschalten, während nur das jeweils gewünschte Triebfahrzeug eingeschaltet und in Betrieb ist. Ein Betrieb mehrerer Fahrzeuge unabhängig voneinander ist mit dieser Fernsteuerung nicht möglich, wohl aber Doppeltraktion. In unseren Augen hat zudem die FS 80 den bestechenden Vorteil, daß (in eingeschaltetem Zustand) alle unsere Triebfahrzeuge beliebig auf fremden Anlagen wie auch alle fremden Fahrzeuge auf unseren Anlagen ohne Schaltungsprobleme fahren können. Als Nebeneffekt ermöglicht die FS 80 eine Dauerzug-Beleuchtung.

Beide Anlagen haben offene Enden, d.h. die Lok müssen in den Endbahnhöfen umgesetzt und umfangreiche Rangierfahrten durchgeführt werden. Es lag deshalb nahe, den LGB-Regler mit einer Funkfernsteuerung zu verbinden, wie sie z.B. für Schiffsmodelle handelsüblich sind. Damit können wir Fahrtrichtung und Geschwindigkeit der Lokomotive von jeder Stelle des Geländes aus beeinflussen. Es ist ein schönes Erlebnis, den Zug auf seiner Fahrt durch die "Landschaft" zu begleiten oder direkt neben den Gleisen die Rangiermanöver aus der Nähe zu verfolgen.

Wir haben durch die Beschäftigung mit der LGB und dem Freilandbetrieb im besonderen sehr viele Erfahrungen sammeln können; man denke nur an wetterfesten Gleis- und Landschaftsbau, die Probleme der Fernsteuerung sowie den Selbstbau von Fahrzeugen. Es waren andererseits viele entspannende Stunden, die wir der LGB verdanken. HEF/Dr. Steinke

LGB Depesche Heft 44 Frühjahr 1982

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