Freude mit der Gartenbahn Eugen Landerer

Meine Grünphase ist nicht politischer Natur, sondern sie begann schon recht früh im Lausbubenalter, wo man noch auf die Bäume kletterte. Viel später, als junger Familienvater, glaubte ich mich in einem bescheidenen Eigenheim als Modellbahner breit machen zu können. Aber das vorgesehene Dachzimmer war dann für die Tochter und später für den Junior beschlagnahmt. Als schließlich Anfang der 70er Jahre die LGB als Gartenbahn mein Modellbahnerhirn bearbeitete, reifte der Plan, wenn auch bescheiden, im Garten eine Modellbahn aufzubauen. Die Hektik begann: Bäumchen setzen, Blümchen pflanzen und Feinschotter anschleppen. Als die Jungfernfahrten liefen, war eitel Freude im Haus. In den folgenden Jahren wurden die Bäumchen groß und größer. Trotz eifriger Gartenarbeit wuchs und wucherte alles üppig. Kontakte blieben aus und Weichen verdreckten, weil Petrus stellenweise die ganzen Wasservorräte, welche anderswo fehlten, über uns Alpenbewohner ausschüttete. Mir wurde es allmählich mit meiner Gartenbahn bang und bänger. Der Keller wurde ausgeräumt, ein Loch in die Wand gebrochen und die LGB an der Wand lang aufgebaut. Aber der Mensch will mehr. Der Garten lockte, zumal ein LGB-Freund allerdings mit "sieben Kubikmeter Beton" seine Bahn bei Wind und Wetter ohne Störungen fahren läßt, bzw. mit einem Zehnerautomaten kann sie jeder fahren lassen. Also entschloß ich mich, die Gartenbahn vom Keller in den Garten hinausfahrend zu bauen. Von meinem "Tiefsalon" ging es in den Heizungskeller und durch ein Gitterfenster mit Klappe in's Freie. Ich wollte allerdings keine 7 cbm Beton verbauen, aber das Bahngelände und die Bahntrassen mußten mit Beton gebaut werden. Der Platz am Haus (diesen Rat möchte ich den Gartenbahnsäuglingen geben) sollte so gewählt werden, daß der Briefträger oder ein Spätheimkehrer nicht über die Gleise stolpert. Auch sollte Platz für Erweiterungen vorhanden sein. Nach reichlicher Planerei schlafe man ruhig ein paar Nächte oder besuche andere Gartenbahner und lote das Richtige aus. Ich halte zwar von Phantasieschlingschlag im Garten wenig, aber was dem einen seine Uhl, ist dem andern seine Nachtigall. Viele Weichen im Freien bereiten nicht selten Kummer. Trotz Betontrasse haben wir es mit Regenspritzwasser, Staub und Blätterfall zu tun, und der Wind verteilt alles schön dahin, wo wir es gar nicht gerne haben, nämlich auf die Weichen und unter die Schienenverbinder. Wir können aber diesen Naturgewalten etwas trotzen, wenn einige Dinge, die aus Erfahrung geboren wurden, beachtet werden. An erster Stelle ist die Gleisbettung und als nächstes die Bepflanzung von Bedeutung. Dabei sollten keine Kosten und Mühen gescheut werden. Aber mit Idealismus, den wir Modellbahner alle haben, und Freude an der Sache kostet es gar nicht so viel. Meiner bescheidenen Erfahrung nach sollte keine stationäre Gartenbahn bis 3,5 Zoll ohne Betontrasse gebaut werden. In der LGB-Depesche Nr. 43/44 haben die Herren Zwirchmayr und Höfkens schon die richtige Baumethode des Gleisunterbaues angewandt. Ich möchte aber auf den Gleisunterbau näher eingehen und mit ein paar Skizzen verdeutlichen.

Es ist notwendig, die Trasse in Stücke von 60 - 120 cm Länge zu bauen, um etwaige Veränderungen leichter vornehmen zu können. Ich habe dabei eine einfache Bauweise von Betongleisbettungen angewandt, die ich an Hand der Skizzen 1 und 2 empfehlen kann. Die künftige Bahntrasse sollte zunächst lose zusammengesetzt werden. Danach müssen in der Gleismitte Pflöckchen mit der endgültigen Trassenhöhe eingeschlagen werden. Mit Gleislehre (aus einem Brettchen gefertigt) und Spaten wird das Erdreich ausgehoben. Die Tiefe von 10/12 cm richtet sich nach dem Gelände und der künftigen Trassenhöhe. Bevor die Fertigbetontrassen (oder der lose Beton) eingebracht wird, ist es ratsam, ein 2 - 4 cm starkes Sandbett einzubringen. Eventuelle Kabeldurchführungen können in Form von Kunststoffleerrohren gleich berücksichtigt werden. Bei der Profibaumethode kann mit dem betonieren begonnen werden, wenn zuvor der Sandbeton mit einem Teil Zement, ein Teil Splitt (Körnung 0 - 5 mm) und zwei Teilen Sand erdfeucht angemacht wurde. Gut gemischt kann die Arbeit beginnen, indem man mit einem Reibbrett (siehe Skizze) die Trasse formt. Als weitere Hilfen dienen die Höhenpflöcke und die Richtlatte. Der Beton muß gut angedrückt, und alle 60 - 120 cm sollte ein Pappstreifen eingelegt werden. Die nicht mehr benötigten Pflöckchen können sodann herausgezogen werden und die Löcher mit flüssigem Beton vergossen werden. Nach einigen Tagen kann die Befestigung der Schienen mittels Dübel erfolgen. Größere Gleisansammlungen sollte man auf leicht armierte Betonplatten von 1 - 2 Quadratmetern verlegen .

Die weniger Geübten können sich Holzschalungen anfertigen oder vom Schreiner bauen lassen, und die Trassenblöcke mit dem gleichen Beton herstellen und in das Sandbett verlegen. Vor Betoneinbringung ist es gut, die Schalungen einzuölen, damit der Beton nicht festpappt. Mit der Fertigbetonbauweise wird es allerdings notwendig, daß mehrere den Gleisformen angepaßte Schalungen benötigt werden.

Nach dem Verlegen der Gleise ist es ratsam, die Schienenstöße mit Litzendraht zu verbinden, um spätere Kontaktstörungen zu vermeiden. Notwendige Bedienungskabel sollten in flexiblen Kunststoffrohren unter der Erde verlegt werden. Eine problemlose Fernsteuerung von Lok, Weichen und Signalen wäre natürlich die Ideallösung.

Zur Bepflanzung der Freilandanlage hat der Gartenliebhaber ein reiches Betätigungsfeld. Eine schöne und sinnvolle Bepflanzung in steingartenähnlicher Form ist wie der Rahmen um ein schönes Bild. Bäume und große Büsche, auf die man später klettern kann, sollten nicht in unmittelbarer Nähe unserer Trassen gepflanzt werden. Bonsais aus Japan wären ideal, sind aber viel zu teuer. Viel einfacher ist es, kleinwüchsige Nadelbäumchen (oder am billigsten Kleinfichten, wie sie der Förster pflanzt) einzusetzen und nach dem Austreiben mit der Gartenschere zu stutzen. Ich habe Fichten an meiner Gartenbahn, welche bei freiem Wuchs schon LGBMammutbäume von 2 - 3 m wären, aber erst 30 - 40 cm hoch sind. Büsche und Stauden sollten nicht in Gleisnähe gepflanzt werden. Ganz vorzüglich ist das Polster-Sternmoos mit den winzigkleinen weißen Blümchen (vor allem für Bahnböschungen geeignet). Wenig wuchernde Steingartenpflanzen sind sehr zu empfehlen und bringen Farbe in unseren "Lustgarten". Ein kleiner Wasserlauf mit POLA-Mühle und den sonstigen wetterfesten POLA-Bahngebäuden sollte nicht fehlen. Eine Seilbahn von Lehmann ist eine reizende und preiswerte Bereicherung unserer Gartenbahn.

Jetzt ist es Zeit zu planen, der nächste Sommer kommt bestimmt. Es würde mich freuen, wenn ich mit meinen Ratschlägen neuen Gartenbahnfreunden eine kleine Hilfestellung habe geben können.

LGB Depesche 45 Frühjahr 1983

www.howibahn.de