Kontaktschwierigkeiten bei LGB-Freilandanlagen

Speziell die LGB-Fans, die eine Freilandanlage besitzen, können ein Liedlein davon singen. Mit diesem Beitrag möchte ich zeigen, wie man hier Abhilfe schaffen kann.

Unsere Schienen und Weichen sind im Freilandbetrieb außerordentlich stark Wind, Regen, Schnee, Sonne und Frost ausgesetzt. Im Hochsommer werden die Schienenstränge manchmal so heiß, dass man sie nicht mehr angreifen kann, ohne die Finger zu verbrennen. Die Schienenlaschen dehnen sich dabei stark aus. Am Abend und über Nacht wird die Luft feucht. Es bildet sich Tau. Dadurch beginnt das Material zu oxydieren. Die Folge davon ist schlechter elektrischer Kontakt. Der Fahrbetrieb läuft nicht mehr einwandfrei. Im Frühling, nach längerem Betriebsunterbruch, sind auch die Schienenlaufflächen oxydiert. Das ganze Netz muss gereinigt werden. Dazu gibt es drei Methoden.

1) Eine Lok auf die Schienen stellen und daran einen Hochbord-Güterwagen kuppeln. In den Wagen legen wir eine 12 Volt-Batterie. Mit einem Kabel wird der Strom von der Batterie via Buchsen am Führerhaus einer Lok zugeführt. Bevor wir aber losfahren, hängen wir noch einen weiteren Wagen an, der mit einem Schienenreinigungsgerät Nr. 5005 ausgerüstet ist. Nun wird das ganze Netz solange abgefahren, bis der kleine Zug die Schienen soweit blankgefegt hat, dass die Lok mit der üblichen Stromzufuhr läuft. Dann sollte man weiterhin noch einige Runden drehen. Nun wären die Schienenlaufflächen wieder betriebsbereit. Heimtückische Kontaktschwierigkeiten gibt es aber noch an den Schienenstößen, d. h. dort, wo die Schienen zusammengesteckt sind. Davon etwas später.

2) Das ganze Netz mit dem Schienenschleifreiniger Nr. 5004 leicht abreiben. Dieses Gerät reinigt gut und sehr schonungsvoll.

3) Diese Methode ist absolut verwerflich und schädlich, wird aber leider doch von vielen „Superschlauen" angewandt. Die Schienenoberfläche wird mit einem möglichst rauhen Schmirgeltuch und mit viel Kraftaufwand blankgefegt. Es läuft alles wieder ganz gut. Nach einiger Zeit kommt aber das böse Erwachen. Wenn wir die Schienen nach dem Blankfegen mit einem starken Vergrößerungsglas betrachten, stellen wir fest, dass wir tiefe Rillen in die Laufflächen gezogen haben. Diese füllen sich dann mit Schmutz, und bald läuft nichts mehr. Die Schienen haben wir mit dieser Methode restlos verdorben. Das gleiche gilt für die Reinigung der Lokräder. Hier möglichst nur mit einem Lappen, der mit Reinigungsflüssigkeit 5001 getränkt ist, abreiben (auch Innenseite der Räder). Hilft das zuwenig, dann mit dem Reinigungsgummi ohne Kraftaufwand an die laufenden Räder halten. Dabei Lok auf den Rücken legen und Stromzufuhr über Steckbuchsen der Wagenbeleuchtung.

Nun zur Lösung der Kontaktschwierigkeiten an den Schienenlaschen. Wir wenden die Kochbuchmethode an. Man nehme einen Block Lüsterklemmen und schneide mit einem scharfen Messer den Plastikteil rundherum weg. Nun liegen die einzelnen Metallklemmen vor uns. Diese Klemmen spannen wir nun Stück für Stück in den Schraubstock und schneiden sie in der Mitte entzwei. Das ergibt nun zwei kleine Klemmen mit je einer Feststellschraube.

Die Schienenenden putzen wir mit einem feinen Schmirgeltuch auf der Außenseite blank. Mit einem starken Lötkolben werden diese Stellen verzinnt.

Nun wollen wir diese kleinen Klemmen ans Schienenprofil löten. Das geht aber nicht gut, ohne die Finger dabei zu verbrennen. Wir basteln uns ein kleines Hilfsgerät. Von einer alten kleinen Feile nehmen wir den Holzgriff. Gibt es das in unserem Haus nicht, dann hilft auch ein ca. 8 cm langes Stück Holz von ca. 16 mm Durchmesser. An beiden Enden schön gerade abschneiden. Nun auf der einen Stirnseite 2 cm tief ein Loch bohren (1,5 mm Bohrer verwenden). Nun her mit einem neuen Nagel, 2,5 mm dick. Kopf und Spitze abkneifen. Auf der einen Seite 2 cm lang etwas flachklopfen auf einer harten Unterlage. Holzgriff senkrecht auf den Tisch stellen mit Bohrung nach oben und den Nagel nun in den Griff schlagen.

Zum Schluss den Nagel nun am äußeren Ende etwas abwinkeln. Nun können wir die Klemme darüber stülpen und in der richtigen Lage mit der Stellschraube festziehen. Die Klemme ist ja aus Messing, kann also nicht rosten. Bitte darauf achten, dass auch die Stellschraube aus Messing ist. Wenn nicht, Schraube wegtun und durch eine Messingschraube ersetzen. Nun können wir die Klemme bequem an das Schienenprofil halten, mit dem Lötkolben drangehen und dann so lange ruhig halten, bis das Lot sich gefestigt hat.

Wenn wir die Schienen nun wieder zusammenbauen, können wir einen blanken Kupferdraht nehmen und durch die beiden Klemmen stecken, dann Schrauben festziehen. So haben wir einen einwandfreien und dauerhaften Kontakt. Diese Methode ist bestens geeignet für die Bahnhofanlage.

Auf langen Strecken können wir das Ganze etwas vereinfacht machen. Wir biegen einen Kupferdraht U-förmig zurecht und löten diesen mit den Enden an je ein Schienenprofil, das wir vorher ebenfalls blankgemacht haben. Achtung, dass kein Lot auf die Schienenlauffläche kommt. Müssen wir dann die Schienen trotzdem einmal ausbauen, so können wir den Draht in der Mitte entzweischneiden und später beim Wiederzusammenbau einfach eine ganze Klemme mit 2 Stellschrauben drüberstülpen und die Schrauben festziehen.

Sie werden nun sagen, das gibt sehr viel Arbeit. Das stimmt wohl. Andererseits haben Sie eine tadellose Lösung des Problems. Vielleicht hilft Ihnen dabei ein guter Freund, damit Sie schneller vorwärtskommen. Übrigens ist das eine schöne Arbeit für den Winter in der behaglich warmen Werkstatt.

LGB Depesche 55 Frühjahr, 1987

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