Die neue LGB-Zahnradbahn

Auf der Wunschliste der LGB-Freunde steht seit geraumer Zeit ganz oben an eine Zahnradlokomotive. Der Wunsch ist verständlich. Bei Innenanlagen kann eine Steilstrecke mit Zahnstange erheblichen Platzgewinn bringen. Im Freilandbetrieb wird in vielen Fällen die lJberwindung von Niveauunterschieden im Gelände geradezu zum Normalfall, vor allem dann, wenn ein Grundstück eine Hanglage hat.

Die Firma Ernst Paul Lehmann Patentwerk erfüllt nun diesen Wunsch, und man kann ihr bescheinigen, daß sie bei der Vorbildauswahl eine außergewöhnlich glückliche Hand besessen hat:

1) Die HGe 2/2 der FO-Schöllenenbahn ist eine kleine Lokomotive, was den Anforderungen der LGB-Freunde sehr entspricht.

2) Die Lokomotive ist ungewöhnlich reizvoll anzuschauen, wozu nicht zuletzt der Antrieb von Blindwellen über Kuppelstangen auf die kleinen Treibräder beiträgt.

3) Derartige Lokomotiven sind heute noch bei der Bayerischen Zugspitzbahn AG (als Bergellok) und bei verschiedenen schweizerischen Bahnen auf Zahnstangenstrecken im Einsatz.

4) Als kleine Lok ist die Ellok auch im normalen Betrieb vielseitig verwendbar, etwa zum Rangieren und vor Bau- und Arbeitszügen.

Schauen wir uns das Modell einmal etwas näher an. Bestechend, wie immer bei Lehmann, ist die perfekte Gravur aller Details. Die beiden Seitenwände sind vorbildgetreu unterschiedlich nachgebildet mit Fenstern, Lüftergittern und Aggregateklappen. Die rote FO-Lackierung ist makellos, was auch für die Beschriftung gilt. Das Fabrikschild ist als kleine Ätzplatte ausgeführt.

Die Füherstandstirnseite zeigt die Attrappen von Mittelpuffer, Schneeräumern, Bremsschläuchen und elektrischen Kupplungen sowie der Scheibenwischer. Die bekannte kleine Steckdose dient dem Anschluß der LGB-Wageninnenbeleuchtung.

Der Führerstand hat federnde, nach innen zu öffnende Einstiegstüren, deren Scheiben herabgelassen werden können. Der Führerstand besitzt eine Inneneinrichtung, eine Innenbeleuchtung und einen Lokführer. Außerdem ist an der Führerstandsrückwand der bekannte EPLSchalter untergebracht, mit dem man die Lok stromlos abstellen bzw. von Unter- auf Oberleitungsbetrieb umschalten kann.

Die führerstandslose Stirnseite besitzt ebenfalls alle genannten Einzelheiten, zeigt aber auch die bekannte zweiflügelige Tür, die beim Ein- und Ausbau von Antriebsteilen benötigt wird. Da auch auf dieser Stirnseite zwei Stirnfenster vorhanden sind, fällt es nicht weiter auf, wenn man , die Lok als Modell auch als normale Lokomotive im Zweirichtungsverkehr verwendet. Zahnradlokomotiven besitzen beim Vorbild häufig nur einen Führerstand, da die Lok immer talseitig läuft und der Lokführer den Zug bei Bergfahrt von einem Steuerwagen aus steuert.

Das an beiden Enden vorhandene Dreilichtspitzensignal leuchtet entsprechend schweizerischen Gepflogenheiten voraus immer mit drei Lampen, während als Schlußlicht nur die rechte, untere Lampe leuchtet. Diese Signale wechseln auch am LGB-Modell entsprechend der Fahrtrichtung. Das 5-Volt-Beleuchtungssystem mit Leuchtstärken-Konstanthaltung sorgt für helles Licht auch bei Langsamfahrt. Daß die Loklaternen „Messing"-Ringe besitzen, deren sorgfältig polierter Glanz der Stolz der Lokführer ist, sei nur am Rande erwähnt.

Das Dach ist eine wahre Orgie an plastischen Einzelteilen, wie Scherenstromabnehmer, Luftkessel über die ganze Loklänge, Isolatoren, Leitungen, Laufbrett und großem Widerstandskasten. Alles ist fein graviert und sauber gespritzt. Das Fahrwerk steht der Dachpartie in der Reichhaltigkeit der Detaillierung in nichts nach. Besonders bemerkenswert sind die kleinen Räder der Lok, die von der Blindwelle über ein Gestänge (beim Vorbild) angetrieben werden. Lehmann-technisch sind an der Lokunterseite noch die obligaten vier Schienenschleifer zu sehen, die nicht nur der sicheren Stromaufnahme, sondern auch der Sauberhaltung der Gleise, vor allem im Freilandbetrieb, dienen. Unterhalb der Lok ragt aus dem Getriebekasten das Antriebszahnrad heraus, das auf der Achse der vorderen Antriebsräder sitzt.

Die Laufeigenschaften des Lokmodells sind superb. Die kleine Lok läßt sich im Adhäsionsbetrieb (= Reibungsbetrieb) im Kriechgang anfahren. Sie fährt absolut ruhig und gleichmäßig, auch bei höherer Geschwindigkeit, die zum Glück beim Modell vorbildgetreu begrenzt ist. Nach einer langen Erprobungszeit erhielt die immerhin 6 Pfund schwere Lokomotive jetzt endgültig einen neuen, besonders leistungsstarken Motor. Er bewältigt mühelos auch extreme Steigungsfahrten mit entsprechender Zuglast. Der im Lokrahmen stehende Motor besitzt einen eingebauten Überlastschutzschalter.

Kommen wir zum Schluß auf die Frage, welche die LGB-Freunde am meisten bewegt: Wie ist das Fahrverhalten der Lok im Zahnstangenbetrieb? Nun, wer einmal Gelegenheit hatte, den Betrieb auf einer richtigen Zahnradbahn beobachten zu können, der wird bemerkt haben, daß der Triebfahrzeugführer vor Beginn eines Zahnstangenabschnitts die Fahrtgeschwindigkeit seines Triebwagens oder seiner Lok erheblich drosselt. In Langsamfahrt wird in die Zahnstange eingefahren und dann die Geschwindigkeit wieder zügig erhöht, soweit es die Vorschriften und die Anhängelast des Zuges erlauben.

Genau so gut klappt es bei der ersten LGBZahnradlok. In Langsamfahrt fährt die Ellok mühelos, besser gesagt unmerkbar in den Zahnstangenbereich ein, obgleich die LGB-Zahnstange garnicht einmal über ein sogenanntes Einlaufstück verfügt. Aber auch bei etwas gedankenloser oder durch Ablenkung unbeabsichtigt schnellerer Fahrt erfolgt der Einlauf in die Zahnstange funktionssicher. Die Zahnradlok reagiert bei schnellerer Fahrt lediglich mit einem winzigen Hopser beim Eingriff des Zahnrades in die Zahnstange.

Im Zahnstreckenbereich zieht die Lok sich kraftvoll mit ihrem Zahnrad bergan. Das geschieht mit einem ganz leise mahlenden Geräusch, was auf die großen mechanischen Kräfte schließen läßt, die hier bei der steilen Bergfahrt entwickelt werden.

Man sollte übrigens nicht versuchen, die Räder der Lok von Hand zu drehen. Das geht nicht, und zwar aus folgendem Grund: Die Lok kann auf einer Zahnradtsteilstrecke angehalten werden, ohne daß durch ihr Eigengewicht die Räder durchdrehen und damit die Lok zu Tal rollen würde. Das blockierte Getriebe hält die Lok mit dem Zahnrad fest an der Stelle, an der der Halt erfolgt ist.

Fazit: Lang erwartetes Modell einer Zahnradlok nach einem ebenso interessanten wie reizvollen Vorbild. Exzellente äußere Gestaltung. Sehr gute Laufeigenschaften im Adhäsions- und Zahnstangenbereich. Hohe Zugkraft.

LGB-Zahnstange

Die zur Zahnradlok passende Zahnstange wird von Lehmann in 30 cm langen Teilen angeboten. Diese Zahnstangenteile werden aus flexibelem Plastikmaterial hergestellt. Die einzelnen Teile werden aneinandergesteckt und rasten durch eine sinnreiche Nockenverbindung millimetergenau ein. Im ersten Moment scheint diese Steckverbindung nur schwer vonstatten zu gehen, aber ein bißchen Hin-und-Her-Biegen führt zum mühelosen Einrasten. Das darf auch nicht so ganz leicht gehen, denn die Verbindung der einzelen Zahnstangenteile muß sehr solide und fest sein, denn die Zahnstangen müssen im Betrieb ganz schöne Belastungen durch auf sie einwirkende Kräfte aushalten.

Der Einbau in das Gleis kann an jeder beliebigen Stelle einer Anlage erfolgen. Natürlich ist jede schon vorhandenen Anlage nachträglich mit einer Zahnstange ausrüstbar. Um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten, sollte der Beginn einer Zahnstangenstrecke in einer Geraden liegen. Auch ist darauf zu achten, daß der Übergang in die Steigung sanft erfolgt, was man aber bereits von der Gleisverlegung in normalen Steigungen her schon kennt.

Die Befestigung der Zahnstange im Gleis erfolgt mühelos und paßgenau mit Zahnstangenhaltern. Sie werden zwischen zwei Schwellen in das Gleis gelegt. Dann wird die Zahnstange in die Halterungen gelegt. Durch Herunterdrücken einer der beiden Hebel der Halterung, was mit etwas Kraft geschehen muß, erfolgt die absolut feste Fixierung sowohl der Halterung im Gleis als auch der Zahnstange in der Halterung.

Wegen der Temperaturschwankungen und damit möglicher Dehnungstoleranzen der flexiblen Zahnstange sollten im Freilandbetrieb mehr Halterungen in kürzeren Abständen eingebaut werden, als dies im Innenbetrieb notwendig ist.

Fazit: Spielend leichte Montage und hohe Funktionstüchtigkeit zeichnen die neue LGB-Zahnstange aus.

LGB Depesche 56 Sommer, 1987

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