Dieseltriebwagen Friesland

Neben den bekannten Schienenbussen der Bauart "Hannover" mit den beidseitig vorragenden Motoren baute die Waggonfabrik Wismar auch einen Dieseltriebwagen-Typ "Friesland", der einen Wagenkasten herkömmlicher Bauart und eine Motorenanlage in Unterflurbauart besaß. Der Wagen kann im Aussehen als typisch gelten für die Triebwagen der dreißiger Jahre.

Die Firma Lehmann hatte einen solchen VT bereits vor dem beliebten Wismarer Schienenbus herausgebracht, ihn jedoch nur als Doppeltriebwagen geliefert. Das Modell wurde vor einiger Zeit zurückgezogen. Inzwischen wurden die Werkzeuge, vor allem im Bereich der Stirnfronten, überarbeitet, und der Triebwagen ist jetzt wieder als Solo-Triebwagen lieferbar.

Der im Wagenboden in Fahrzeugmitte liegende Motor wirkt mit Gelenkwellen auf die beiden Achsen, die zusammen mit den Kupplungen schwenkbar gelagert sind, was eine gute Kurvenläufigkeit ergibt. Unter dem Wagen ist ein Betriebsartenschalter so angeordnet, daß er betätigt werden kann, ohne daß man den Wagen vom Gleis heben muß. Er ermöglicht die Schaltungen Fahrt mit Licht, Stand mit Licht und stromlos abgestellt.

Der Wagenkasten ist der Bauart "Friesland" gut nachempfunden. Er ist rot lackiert und besitzt einen weiß-grün-weißen Zierstreifen. Die Beschriftung ist reichhaltig und sauber aufgedruckt. Als Wageneinstieg dienen vier bewegliche Schiebetüren, die auch das Einsetzen des Fahrers (mit Magnethaftung) entsprechend der

Fahrtrichtung erlauben. Fahrer mit Sitz sowie eine uniformierte Schaffnerin liegen dem Triebwagen bei. Der Wagen besitzt eine komplette Inneneinrichtung. Die Führerstände und das Wageninnere sind mit insgesamt 5 Lampen ausgeleuchtet. Die Stirnfront zeigt die Wagenlaternen und die Lichtsteckdose für mitgeführte Wagen. Scheibenwischerimitation, runder Schmalspurpuffer und Fabrikschild geben der Stirnfront des Wagens das vorbildgetreue Aussehen.

Die Laufeigenschaften sind makellos. Das Fahrzeug läßt sich in allen Geschwindigkeitsbereichen gut regeln. Anfahren und Rangieren in sehr langsamer Fahrweise sind möglich.

Das comeback dieses Modells erfolgte in aller Stille und ist von den LGB-Freunden kaum registriert worden. Eigentlich ist das unverständlich, denn hier blüht offensichtlich eine kleine Modellbahn-Köstlichkeit im Verborgenen.

Wer sich mit der Kleinbahn- und da besonders mit der Schmalspurbahn-Geschichte befaßt hat, weiß, daß diese Bahnen schon in den dreißiger Jahren begonnen haben, ihren Betrieb zu rationalisieren. Zu diesem Zweck wurde vorrangig der Personenverkehr entweder ganz oder wenigstens teilweise in den verkehrsschwächeren Zeiten auf Triebwagen umgestellt.

Nach 1945 ergab sich dann vielerorts die Situation, daß die abgefahrenen und unwirtschaftlichen Dampflokomotiven verschrottet wurden, man aber andererseits nicht im jeden Falle Diesellokomotiven beschaffte. Bei vielen Bahnen waren die vorhandenen Triebwagen in der Lage,

den Güterverkehr mit zu übernehmen. Sie wurden häufig mit stärkeren Motoren ausgerüstet und somit zu Schlepptriebwagen, die den gesamten Verkehr auf der Bahnlinie versahen.

Der LGB-Freund hat also mit dem Triebwagen der Bauart "Friesland" (2064) im Grunde genommen das ideale Triebfahrzeug für eine LehmannGroßbahn-Anlage. Der Anfänger kommt zunächst mit dem Triebwagen aus. Er versieht den gesamten Personenverkehr. Es brauchen erst einmal keine Personenwagen gekauft zu werden, sondern nur einige der ohnhin spielintensiveren Güterwagen, die vorbildgetreu vom Triebwagen geschleppt werden können. Da vor allem beim Beginn mit einer Modellbahn die finanziellen Mittel genau eingeteilt werden müssen, weil schließlich auch Schienen, Weichen und Zubehör angeschafft werden muß, wird der 2064 somit geradezu zum idealen Start-Triebfahrzeug. Aber auch für den bereits besser ausgestatteten LGB-Bahner ist dieser 2064 insofern ein unbedingtes Muß, als man mit ihm mutterseelenallein eine kleine Nebenstrecke solo betreiben kann. Dabei ergeben sich bestimmt interessante Kontraste in der Betriebsabwicklung.

Vielleicht regen diese Zeilen eine größere Anzahl von LGB-Freunden dazu an, sich mit dieser verborgen schlummernden Blume im LGB-Programm einmal näher zu befassen. Dabei sollte nicht vergessen werden, daß dieser Triebwagen nun wirklich nicht ein Vertreter der Moderne ist, denn die Konstruktion seines Vorbilds liegt immerhin auch schon mehr als 50 Jahre zurück.

LGB Depesche 58 Sommer, 1988

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