Der Bahnhof Westerstede

Der Bahnhof Westerode ist der Betriebsmittelpunkt der "Westerode-Lindenwalder Eisenbahn". Diese Schmalspurbahn ist von der Modellsituation her im nördlichen Münsterland angesiedelt.

Für den weiteren Ausbau meiner Gartenbahn soll der Bahnhof in Zukunft einmal ungefähr in der Mitte der Strecke liegen. Das, was bis jetzt im Garten fertiggestellt ist, ist der Bahnhof und eine kreisförmige Strecke von ca. 30 m Gleislänge. Das ist genug, um im Bahnhof ein wenig Betrieb zu machen, zu wenig natürlich für den Modellbahner, der gerne weiterbaut.

Wie sicherlich viele der Hobbykollegen bin ich über eine bekannte HO-Modellbahn aus Göppingen zum Eisenbahnhobby gekommen. Irgendwann einmal kam das Interesse für den Großbetrieb dazu. Ferien an der Nordsee brachten mich auch dem Thema Schmalspurbahn näher. So entstand die erste HOe-Anlage, damals noch mit Egger- und Liliput-Fahrzeugen.

Allerdings muss ich sagen, dass mich die Baugröße II schon immer gereizt hat, nur kam der Anstoß zum Bau einer LGB-Anlage erst durch verschiedene Umstände: Es stand ein geräumiger Garten

zur Verfügung, und meine Frau überlegte, unseren Kindern eine Playmobil-Eisenbahn zu Weihnachten zu schenken. "Wenn schon, denn schon", dachte ich damals und votierte für den Kauf einer LGB. Aus einer Anfangspackung wurde dann mehr, und die HOe-Eisenbahn wurde verkauft. Im Wohnzimmer entstand die erste Anlage auf dem Fußboden. Ich wollte Erfahrungen mit der LGB gewinnen, gleichzeitig stand der Winter vor der Tür, eine ungünstige Zeit, um mit dem Beginn einer Freilandanlage zu beginnen.

Im Frühjahr 1986 habe ich dann mit den Bauarbeiten begonnen. Es sollte eine Schmalspurbahn nach österreichischem Vorbild (ÖBB) werden. Da aber die Fahrzeugauswahl industriell gefertigter Loks und Wagen für dieses Thema nicht sehr groß ist, habe ich mich nach einigem Suchen und Überlegen für das Konzept einer "privaten Privatbahn" entschieden.

Für meine WLE gibt es kein konkretes Vorbild. Die Modellsituation spielt in der Jetztzeit, weil ich den Bau einer Modellbahn nach dem Motto "wie es einmal war mittlerweile als Konzept für mich ablehne. Jahrelang habe ich nach diesem Motto mein Hobby betrieben, und ich war nie so recht zufrieden damit.

Die Idee zu einer solchen Modellbahn kam mir beim Besuch einiger Schmalspurbahnen in der DDR. Weshalb sollte es hier, bei uns, nicht auch eine Eisenbahn, noch dazu eine schmalspurige geben, die unter Denkmalschutz steht, aber dennoch echte Verkehrsaufgaben hat? So gewann mein Konzept an Konturen.

Die Modellsituation ist also die: Als die zuständigen Politiker im "Westeroder Land" vor der Frage standen, ihre altersschwache Schmalspurbahn stillzulegen oder zu sanieren, haben sie sich mit Blick auf die DDR und die Schweiz für die bessere Möglichkeit entschieden. Die Bahn wurde saniert. Man schaffte Dieselfahrzeuge und neues Wagenmaterial an. Damit ein solches Verkehrsmittel eine Überlebenschance hat, wurde der Omnibusparallelverkehr eingestellt. Die Bahn hat einen für ländliche Gegenden akzeptablen Fahrplan im Stundentakt.

Um Umladekosten zu senken, ist der Containerverkehr eingeführt worden. Die Einführung von Rollwagen ist zur Zeit noch in der Überlegung. Weitere Spezialwagen, wie Kesselwagen und demnächst dann auch ein Zementsilowagen, stehen der Kundschaft der WLE zur Verfügung. Der Gütertransport wurde weitgehend auf die Schiene zurückverlagert. Bedingt durch ein Sägewerk im Bahnhof Westerode und einen weiteren holzverarbeitenden Betrieb an der Strecke gibt es auch einiges an Binnenverkehr. So werden die Straßen im "Westeroder Land" spürbar vom Schwerlastverkehr entlastet, ein Plus für diesen Landstrich, auch im Hinblick auf die Urlauber, die hier ihre Ferien verbringen. Aus diesem Grunde fahren bei der WLE auch etliche Züge in der Saison mit einer Dampflok, eine Attraktion ähnlich wie bei der Zillertalbahn.

Konsequenzen hat dieses Konzept natürlich auch bei der Fahrzeugbeschaffung. Ich versuche, mit möglichst wenigen Grundtypen auszukommen. Diese Fahrzeuge aber sind in der Regel dann mehrfach vorhanden. Das ergibt ein einheitlicheres Bild bei den Zügen. Alle Personen- und Gepäckwagen sind in der Einheitsfarbe dunkelrot (mit Autolack) lackiert, alle Güterwagen braun mit schwarzen Kastenstreben, soweit das der Aufbau zulässt. Mit Hilfe von Aufreibbuchstaben habe ich die Beschriftungen neu erstellt bzw. ergänzt. So bietet der Wagenpark ein einheitliches Bild. Bei den Lokomotiven habe ich es ähnlich gehalten. Das gilt übrigens auch für die Häuser, die alle aus 4 mm- Sperrholz und POLA-Teilen selbst gebaut wurden. Die Vorbilder für die Häuser stehen alle in der direkten oder näheren Umgebung und sind teilweise für die Modellbahn passend abgewandelt worden. Auch hier ergeben die immer wieder auftauchenden gleichen Farben ein viel realistischeres Bild.

Soweit zum Konzept der WLE. Als ich draußen zu bauen begann, hatte ich keinerlei Erfahrung mit den Bedingungen, unter denen eine solche Modellbahn zu betreiben ist. Ein für uns normaler Regenschauer grenzt in dieser Baugröße schon an eine Naturkatastrophe. Frost, Feuchtigkeit und Sonnenhitze setzen einer Gartenbahn manchmal arg zu. So habe ich auch einiges Lehrgeld gezahlt, was z.B. den Bahnunterbau angeht oder die Konservierung der Häuser gegen Witterungseinflüsse. Mittlerweile baue ich nach der Devise: "Lieber langsam, aber dafür gründlich!"

Der Unterbau des Bahnhofes Westerode besteht aus einer ca. 10 cm starken Schotterschicht, die dem Wasserabfluss dient. Darauf habe ich die Gleise und Kabel verlegt. Die Gleise wurden dann auf in den Schotter gelegte Steine verdübelt. Eingeschottert wurde das Ganze mit einer Mischung aus Glasasche und Zement, die dem Gleis und seinem Unterbau ein realistisches Aussehen verleiht. Beim Bau der Strecke bin ich genauso vorgegangen. Übrigens ist diese Methode sehr umbaufreundlich. Allerdings sind auch immer wieder mal Gleisabschnitte zu richten und zu stopfen - ganz wie beim großen Vorbild. Hier muss allerdings jeder Gartenbahner seine Methode finden, denn mancher mag diese Arbeiten sicherlich nicht. Mir kam es auch darauf an, den Garten nicht zuzubetonieren.

Der Bahnhof Westerode ist als Betriebsbahnhof der WLE gedacht. Dementsprechend ist auch seine Gleisanlage ausgerichtet. Neben dem durchgehenden Hauptgleis gibt es ein Kreuzungsgleis am Bahnsteig für Personenzüge und ein weiteres Umfahrungsgleis. An dieses direkt angeschlossen ist das kleine Betriebswerk, das in seinem Vorfeld die Lokbehandlungsanlagen für Dampf und Dieselloks hat. Weiter zweigt vom Umfahrungsgleis das Betriebsmittelabstellgleis ab, auf dem Reservewagen, die Bauloren oder andere Fahrzeuge stehen, die gerade nicht benötigt werden. Vom Hauptgleis zweigt das Güterschuppengleis ab. In der anderen Richtung verzweigt es sich in das Ladestraßengleis und in ein Anschlussgleis zum Sägewerk. Das Lagerhaus auf der anderen Seite der Ladestraße sorgt ebenfalls für Verkehr und wird nach einem Neubau eventuell direkt über einen weiteren Gleisanschluss bedient. So ist die ganze Anlage nicht gerade üppig ausgefallen, aber sie reicht für den Betrieb aus. Diesen erleichtert übrigens eine Rückfallweiche nebst Signal, eine Einrichtung, die ich mir in dieser Form bei der Harzquerbahn abgeschaut habe.

Wie beim großen Vorbild hat der Bahnhof nur Handweichen, so soll es auch bleiben, da ich die Verdrahtung nicht so aufwendig gestalten möchte. Ein anderer, mir wichtiger Grund ist der, dass so auch mehrere Personen mit der Bahn gleichzeitig spielen können: Ein Lokführer, ein Weichensteller und ein Rangierer, alle aus der eigenen Familie oder aus dem Kreis von Hobbykollegen.

Das Bahnhofsgebäude, dessen Pate das große Vorbild in unserem Dorf ist, enthält als kleinbahntypisches Attribut eine Gaststätte "Zum flotten Felix", ein Kosename, den ich mir für meine Schmalspurbahn ausgedacht habe. Einige Wohnhäuser (direkt gegenüber dem Bahnhof, übrigens der Nachbau unseres Hauses), eine Tankstelle und eine Umspannstation deuten ein Dorf an. Hier ist im nächsten Winter als Ergänzung eine Kirche geplant.

Fertig ist dieses Westerode trotz der jetzt eineinhalbjährigen Bauzeit nicht. Dem Betrachter der Fotos wird nicht entgehen, dass viele Kleinteile, wie Schilder, Menschen etc. noch fehlen. Glücklicherweise wird der Zubehörmarkt für diese Baugröße in der letzten Zeit immer weiter ausgebaut, und so wird noch manches Teil in Westerode Verwendung finden können.

Werner Reckert

LGB Depesche 62 2. Ausgabe, 1989

www.howibahn.de