Der Circus kommt mit der LGB

Was man in jedem Spielwarengeschäft und allen Spielwarenabteilungen der Kaufhäuser anfindet, nämlich den Zirkus-Sonderzug, sucht man im LGB-Katalog vergeblich. Lediglich den Zirkuswagen wurden im Katalog 1988/89 zwei Seiten gewidmet. Dabei gibt es eine Sonderpackung Zirkuszug. Damit hat man bei Lehmann sicherlich an unsere kleinen LGB-Freunde gedacht. Auf Kinder hat der Zirkus ja von je her seinen ganz besonderen Reiz. Da ist die bunte Vielfalt an Zirkuswagen und auch die weiß/rote Lok für Kinder etwas ganz besonderes. Den Unimog sehen Kinder mit glänzenden Augen.

Und dabei ist das Zirkustreiben nicht nur für Jungen interessant, auch Mädchen sind beim Spiel genauso interessiert bei der Sache. Mit Sicherheit ist der Zirkus-Sonderzug für manchen ein preiswerter Einstieg in die Welt der LGB, und das nicht nur für Kinder.

Da die Lok und die Wagen von hoher LGB-Qualität sind, lässt sich der Zirkus recht professionell ausbauen. Mit Sicherheit können Sie nicht einfach ins Geschäft gehen und alles kaufen, was zum Zirkus maßstäblich gehört. Da muss man schon ein wenig improvisieren. Jedenfalls gibt es verschiedene Möglichkeiten, die ich in die Tat umgesetzt habe.

Nun ein wenig zur Praxis. Als im vergangenen Jahr um die Weihnachtszeit recht preiswerte LGB-Zirkus-Sonderzugpackungen angeboten wurden, begann für mich der Einstieg in die Zirkuswelt.

Im Anschluss an den Güterbahnhof, beschrieben in der LGB DEPESCHE Heft 60, baute ich aus Kunststoffplatten und -profilen, ähnlich wie in dem gleichen Heft beschrieben, eine Verladerampe. Diese ist von zwei Seiten befahrbar. zunächst aber mussten die Gleise verlegt werden. Für den

Anschluss an die Verladerampe benötigte ich 6 Weichen und eine Doppelkreuzungsweiche. Bei diesem Gewirr von Schienen und Weichen durfte natürlich das POLA-Stellwerk nicht fehlen.

Zwischen dem Stellwerk und der Verladerampe wurden zwei Löcher gebohrt. In diese befestigte ich zwei POLA-Mastleuchten. Drei weitere wurden im Gleisbereich mit Sockel befestigt. Als diese Teile ihren festen Platz hatten, ging es an die Verlegung der Straßenzüge.

Nun kam die Suche nach geeigneten Fahrzeugen. Zunächst wurde aus einem Revell-Bausatz ein Unimog zusammengeklebt und in den LGB-Zirkuswagenfarben bemalt (ebenfalls mit Farben aus dem Revell- Programm, nämlich das Fahrgestell in blau Nr. 52, Fahrerhaus und Pritsche in weiß Nr. 4). In meinem Fall durfte der Fahrer nicht fehlen. Dieser muss vor dem Einbau eingeklebt werden. Als Fahrer eignet sich der Fahrer aus

dem Trucker-Programm von Preiser oder der Fahrer aus dem Trucker-Zubehörset von Italeri. Der Unimog bekam noch einen Hänger, der auch von Faller/Italeri stammt. Ursprünglich hatte dieser Hänger eine Plane. Diese habe ich jedoch abgesägt. Der Hänger wurde in den gleichen Farben wie der Unimog lackiert. Unimog und Anhänger wurden mit Zirkus-Aufklebern beklebt. Die Aufkleber aus einem LGB-Bastelbogen liegen dem LGB- Wagen 4037 bei. Über die Ladung wurde eine Plane gelegt und mit Tauwerk befestigt.

Vor die Verladerampe stellte ich den LGB-Express-Autotransporter. Als Ladung verwendete ich den Pick-Up mit Wohnwagen-Anhänger von Giodi aus dem Cleve-Programm. Allerdings waren hier auch einige Umarbeitungen vonnöten. Dieses Gefährt gibt es in weiß als Rote- Kreuz-Fahrzeug. Die Aufkleber lassen sich relativ leicht abziehen und durch LGB-Zirkusaufkleber erset-

zen. Ich fertigte gleich zwei Pick-Ups mit Wohnwagen mit unterschiedlichen Motiven. Recht lustig sehen diese Fahrzeuge aus und beleben das Zirkusleben.

Vor die Laderampe stellte ich den LGB-Viehtransporter und dahinter den Zirkus-Personenzug. Hierfür gestaltete ich eine Figur um, die gerade einen Koffer aus dem Fenster reicht. Vor den Personenzug plazierte ich noch einen Citroen 15 CV TA aus dem Burago-Programm, der ebenfalls mit Zirkus-Aufklebern beklebt wurde. Um den Wagen wurden noch einige Personen und Gepäck plaziert, sowie der POLA-Gepäckkarren.

Nun nahm das Zirkusleben allmählich Gestalt an. Vor den Kran stellte ich den Niederbordwagen, der gerade einen Zirkus- Straßenwagen aufhievt. Um noch mehr Leben in die Zirkuswelt zu bringen, mussten noch einige LGB-Fahrzeuge beschafft werden. So bekam die Anlage noch zwei weitere

LGB-Viehtransporter, einen für Pferde, die ich aus dem Preiser-Programm nahm, einen für Kamele und den schon vorhandenen für Elefanten. Auch zwei Niederbordwagen mit Zirkus-Straßenfahrzeugen kam noch hinzu.

Auf den LGB-Autotransportwagen wurde ein Pick-Up mit Viehtransportanhänger gesetzt, der wiederum von Giodi/Cleve stammt. Dieses Gefährt, in der Ursprungsfarbe grün, musste allerdings in weiß umlackiert werden. Da dieses Fahrzeug sich leicht zerlegen lässt, war das Lackieren nicht schwierig. Ebenso schnell war es auch wieder zusammengesetzt.

Die SPREEWALD, die mit zu den schönsten LGB-Loks zählt, durfte auf keinen Fall im Bild fehlen.

Es gibt auch noch einen Landrover von ESCI. Auf diesen Bausatz möchte ich nicht näher eingehen, da selbst Profis eine harte Nuss bei dem Zusammenbau zu knacken haben. Sollten Sie dennoch ein solches Fahrzeug zusammenbauen wollen, so empfehle ich von vornherein, die beweglichen Räder und die bewegliche Lenkung fest zu verkleben. Hier greift man am besten auf Geländefahrzeuge von Burago zurück, wie z.B. den Rover. Es gibt diesen als Metall- Kit. Er muss allerdings für den Zirkus umlackiert werden, da die Ursprungsfarbe braun ist.

Nun ging es an das Ausschmücken, die Feinarbeit und das Umgestalten der Figuren. Zwischen Kran und Stellwerk sah es ein wenig dürftig aus. Spontan fiel mir ein, wie ich diese Lücke schließe. Im POLA-Stellwerk sollen Umbauarbeiten vorgenommen werden. Ein Arbeiter wurde zurecht geformt, der in einem selbst angefertigten Kübel Zement mischt. Eine Zementtüte wurde zusammengeklebt und mit richtigem Zement gefüllt. Auch im Kübel befindet sich ein richtiges Zement-Quarz-Gemisch. Aus Styropor und Quarzsand wurde der Sandhaufen hergestellt. Ebenfalls wurde noch Zement in einen Eimer gekippt. In diesen wurde noch eine selbst angefertigte Kelle gesteckt. Aus dem POLA-Stellwerk kommt der Wasserschlauch.

Auf den LGB-Niederbordwagen wurde eine Figur plaziert, die den Viehtransport-Straßenwagen von seiner Verankerung löst und den Strick um diesen legt, damit er vom Kran auf die Straße gehievt werden kann. Einige Personen geben dem Kranführer Anweisungen.

Da die Tiere nach der großen Reise Durst hatten, mussten sie mit Wasser versorgt werden. Ein Hydrant war schnell gefunden aus dem Feuerwehrzubehörset von Revell. Auch ein Eimer aus dem Zubehörset von POLA. Es fehlte nur noch der Wasserträger. Nun ging die Suche in der Figurenkiste los. Eine geeignete Figur war jedoch nicht zu finden. So mußte der LGB-Arbeiter mit der Spitzhacke einen gnadenlosen chirurgischen Eingriff über sich ergehen lassen. Kopf, Arme und eine Hand wurden abgetrennt, zum Teil zurechtgebogen und bearbeitet und in richtiger Position wieder angeklebt. Die eine Hand liegt auf dem Handrad des Hydranten, in der anderen Hand hält er den Wassereimer unter den Hahn. Nach ein wenig Spachteln und Schleifen bekam die Figur einen neuen Anstrich. Wie wir sehen, ist der Eingriff gut gelungen, ohne Narben zu hinterlassen.

In die Platte wurde ein Loch gebohrt und der Anschluss für den Hydranten versenkt eingebaut. Den ovalen Deckel habe ich aus einem Kunststoffplättchen gefertigt und neben den Hydranten geklebt, selbstverständlich mit einem eisenfarbenen Anstrich. Der Hydrant wurde eingeklebt und der Wasserträger davor festgesteckt. Wie wir sehen, ist dies eine Kleinigkeit, die das Ganze jedoch realistisch belebt.

Auf der Laderampe wurden die Tiere aus dem Lehmann-Programm plaziert. Erweitert wurde dieses Tiersortiment mit einem Kamel und einem Elefanten von der Firma Schleich, Schwäbisch Gmünd. Weitere Tiere von Schleich sowie zwei Tiger befinden sich im Straßen-Tiergitterwagen, ebenso wie ein Eisbär und ein Löwe. Durch die unterschiedlichen Größen und die Formgestaltung wird somit das Bild aufgelockert.

Ein Pferdedompteur wurde angefertigt, der über die POLA- Viehverladerampe die Pferde aus dem LGB-Viehwagen herauslässt. Auf dem Geländer sitzen zwei Arbeiter und einer steht dazwischen, die gemeinsam interessiert den Ausladevorgang verfolgen. Auch diese Figuren wurden speziell zu diesem Zweck umgeformt.

Zu erwähnen sind noch die beiden schönen Traktoren von der Firma Ross. Sie wurden ebenfalls umlackiert in blau/weiß. Diese Fahrzeuge lassen sich leicht zerlegen und wieder zusammensetzen, da sie ursprünglich in Italien auch als Bausatz verkauft wurden. Dies erleichtert die Lackierarbeiten. Ganz besonders gut gelungen ist mir der Fahrer auf dem Traktor mit Cowboy-Hut, Band und Feder und Zigarette im Mundwinkel.

Der Zirkusverladerampe gegenüber finden wir die Marktplatz- Pflasterplatten und den Bürgersteig von NOCH. Ich habe diese Platten noch nicht befestigt, da dieser Bauabschnitt als nächstes vorgesehen ist. Nur soviel sei gesagt, es ist eine gute Idee von NOCH und eine Bereicherung für alle LGB-Anlagen-Bauer.

Von Peter Heikes

LGB Depesche 63 3. Ausgabe, 1989

www.howibahn.de