Die Aussenanlage des LGB-Club St. Gallen

Der im Sommer 1976 gegründete LGB-Club St. Gallen betreibt auf dem Gelände des Freizeitparks Schiltacker in St. Josefen (Straße St. Gallen - Engelburg) eine große Gartenbahnanlage nach Vorbild der RhB und F0. In unzähligen Freizeitstunden entstand hier eine kleine Traumwelt, eine Art "kleines Bündnerland", durch das der "Glacier Express" und viele andere bekannte Zuggarnituren ihre Runden ziehen.

Auf nahezu einem Kilometer Gleislänge werden mehrere Bahnhöfe miteinander verbunden und eine beachtliche Höhendifferenz überwunden. Die Streckenführung wurde nach eigenen Ideen, aber harmonisch an die Landschaft angepasst erstellt. War die Hauptstrecke ursprünglich eingleisig angelegt (wie bei Schmalspurbahnen meist der Fall), so erforderte das größere Verkehrsaufkommen in den letzten Jahren den Ausbau auf Doppelspur. Dabei wurde aber auf einigen Abschnitten für das zweite Gleis eine eigene Linienführung gewählt, so dass der schmalspurige Charakter weitgehend erhalten blieb. Durch den Ausbau der Gleisanlagen ist nun ein Einsatz von bis zu zwölf Zügen im automatischen Blockbetrieb möglich, wodurch dem Besucher einiges geboten wird.

Besondere Beachtung verdient wohl auch die prächtige Gestaltung der Umgebung rund um die Bahn, denn eine Vielzahl von verschiedenen Pflanzen, Büschen und kleinen Bäumchen beleben die Szenerie. Von der "Sigishorn-Nordwand" stürzt sich ein Wasserfall in die Tiefe über eine Galerie der Gebirgsbahn in einen Bergsee, welcher wiederum durch einen Bach mit einem zweiten See verbunden ist. In diesen Gewässern tummeln sich jedes Jahr Kaulquappen und kleine Fröschchen, und auf den warmen Steinen des Gebirgsmassivs sonnen sich Eidechsen. Diese wirken auf der Modellanlage wie eine Art Dinosaurier. Einmal wurde ein See auch schon von zugeflogenen Enten als Schwimmbad adaptiert ... Für den Eisenbahnfreund besonders interessant dürften die vielen Eigenbau-Fahrzeuge nach Vorbildern der Rhätischen Bahn und der Furka-Oberalp-Bahn sein, die auf der Anlage verkehren. So findet man die Ge 4/4 I, die Ge 4/4 11, die Ge 6/6 II und diverse Wagen der RhB und die HGe 4/4 I, die Ge 4/4 III und den Stationstraktor Te 2/2 der F0, allesamt Eigenbauten von Clubpräsident E. Neuweiler. Daneben sind auch viele Original LGB-Fahrzeuge im Einsatz, so zum Beispiel drei Krokodile Ge 6/6 I und zwei Ge 2/4 der RhB. Insgesamt umfasst die Fahrzeugsammlung derzeit etwa 30 Lokomotiven und 120 Wagen.

Vom Bahnhof Boswil am See aus führt eine LGB Zahnradbahn aufs Sigshorn hinauf, der höchsten Erhebung der ganzen Anlage. Die kleine HGe 2/2 der FO pendelt dort unermüdlich mit ihren beiden Wagen und bringt sonnenhungrige Ausflügler zum Aussichtsberg, von wo aus man seinen Blick über die ganze Minilandschaft schweifen lassen kann.

Die Modellgebäude der Anlage entstanden größtenteils aus Bausätzen von POLA und Lindberg, teilweise aber auch als echte Eigenbauten. Erwähnung verdient das gewaltige Stationsgebäude von "Freudenstadt", welches dem einstigen St. Galler Hauptbahnhof nachempfunden wurde. Die Straßen auf der Anlage sind massiv betoniert und dienen zugleich als Wege für die Clubmitglieder, sollte einmal irgendwo ein Wagen entgleist sein und man rasch dorthin gelangen muss. Dies passiert aber relativ selten, aber im Freilandbetrieb kriecht halt auch ab und zu eine Schnecke aufs Bahngleis!

Gesteuert wird die Bahn von einem großen Eigenbau- Gleisbildstellpult aus, in welchem sich auch die Relais für die Blocksteuerung befinden. Über fünf Regler kann die Anlage aber auch abschnittsweise von Hand betrieben werden, wenn einmal Bedarf besteht. Für die Zahnradbahn existiert eine Pendelautomatik, wobei die Garnitur an der Berg- und Talstation jeweils einen Moment stehen bleibt, um die Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen. In den Bahnhöfen der Hauptstrecke wurden Brems- und Anfahrbausteine eingebaut, damit die Zuggarnituren nun kontinuierlich anhalten und abfahren, wenn im Automatikbetrieb gefahren wird.

In der Zeit von Frühjahr bis Herbst wird die Anlage an jedem Wochenende betrieben (bei nicht allzu großem Sturm ... ), meist befinden sich während der wärmeren Jahreszeit auch unter der Wochen einige Züge auf der Anlage, die im Automatikbetrieb durch Münzeinwurf in Betrieb genommen werden können. Unser Club freut sich auf den Besuch von gleichgesinnten Hobbykollegen, sei es zum gemeinsamen Spiel oder Erfahrungsaustausch!

Markus Strässle

LGB Depesche 63 3. Ausgabe, 1989

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