Professioneller LGB-Winterdienst

Im Jahre 1985, kurz vor dem Weihnachtsfest und es lag noch kein Schnee, kam mir der Gedanke, einmal eine Versuchsanlage auf meiner Terrasse aufzubauen. Ich wollte einmal sehen, wie sich die LGB-Fahrzeuge und meine Eigenschöpfungen bei winterlicher Kälte und Frost verhielten. Kurze Zeit darauf begann es zu schneien, und so stellte sich die Frage nach der Schneeräumung auf den Schienen. Die Schienenräumer der Lokomotiven waren bei höher werdender Schneelage bald überfordert, so daß ich gezwungen war. einen Schneepflug zu bauen.

Ein genaues Vorbild eines Schneepfluges hatte ich nicht zur Hand, auch wollte ich kein bestimmtes Vorbildfahrzeug nachbauen, sondern wie schon so oft, eigene Vorstellungen verwirklichen, was gerade in der LGB-Baugröße so viel Spaß macht. Meine vorbildlosen Eigenschöpfungen, zum Teil aus LGB-Fahrzeugen geschaffen, müssen nur folgende Bedingungen erfüllen:

Neben der vollen Funktionsfähigkeit muß das Fahrzeug technisch glaubhaft und handwerklich einwandfrei durchgestaltet sein. Diese Devise gilt auch im weitesten Sinne für die von mir geschaffenen beiden großen Ausstellungsanlagen im Lehmann-Werk in Nürnberg. In meiner Bastelkiste fand ich ein Fahrwerk der Schöma-Lok (2060) und deren langen Motorvorbau sowie ein Führerhaus der Lok STAINZ 2 (2020). Die Arbeitsplattform mit den seitlichen Türen stammt vom Barmer Bergbahnwagen (3061), Lampen und Glocke sind von anderen LGB-Fahrzeugen.

Die Wasserkästen vor dem Führerhaus wurden abgeschnitten und die entstandenen Anschnitte mit Restplatten geschlossen. Das Führerhaus wurde mit seiner Vorderwand direkt an den langen Motorvorbau auf das Fahrgestell gesetzt. Hinter dem Führerhaus wurde die offene Bedienungsplattform auf dem Fahrgestell montiert.

Die Pflugschar selbst besteht vollkommen aus Polystyrol und erhielt seitliche, bewegliche Räumplatten mit schrägen, schwarzen und gelben Warnstreifen. Die Räumplatten zur Verbreiterung des Lichtraumprofils können mittels Handrad auf der Bedienungsplattform über Schneckenwellen verstellt werden.

Farbgebung:

Führerhaus und Motoraufbau: gelb

Dach, Bedienungsbühne und Lampen: schwarz Räumschild: rotbraun

Räumplatten: grau mit schwarzen Achslagern Auf der Pflugscharseite des Fahrzeugs befindet sich außer dem Dreilichtspitzensignal noch eine Loklaterne der STAINZ, die in Räumrichtung ein, von der Geschwindigkeit abhängiges, rotes Blinklicht zeigt, welches bei Rückwärtsfahrt in ein konstantes Schlusslicht umschaltet. Je ein separater Schalter ist für die Stromaufnahme, wahlweise aus den Rädern oder aus der Zugsammelschiene, für den Motor und für die Beleuchtung (auch im Führerhaus) eingebaut.

Die Leistung des Schneepfluges ist überwältigend! Bei einer Schneehöhe von 10 cm (Pulverschnee, schon leicht geharscht) bahnte sich der Schneepflug, nachgeschoben von einer DB-Diesellok BR 251 (2051) und einer Malletlok (2085D) ohne menschliche Einwirkung seinen Weg über die in jungfräulichem Schnee liegende Terrasse. Fünf Motore, das ist eine geballte LGB-Lokleistung!

Doch das war noch nicht das Ende der Vorstellung. Einige Tage gingen in's Land, an denen aus Zeitmangel kein Fahrbetrieb stattfinden konnte. Bei der erneuten Betriebsaufnahme zeigten sich dann auch die mir schon bekannten Folgen: Totale Oxydation! Ein ausgeliehener rotierender Schienenschleifer eines anderen Herstellers zeigte keine Wirkung, er war viel zu schwach. Hier mußte ein stärkeres Geschütz her. Ich fand es im Elektronik- Handel in Form eines NASA-Motors mit geringer Stromaufnahme bei höchster Drehzahl.

Ein entsprechendes, starkes Untersetzungsgetriebe zur Leistungssteigerung war schnell konstruiert und beides zusammen, Motor und Getriebe, in einem allseitig geschlossenen Polystyrolgehäuse untergebracht. Die Schleifscheiben eines NlJMO- Schleifeinsatzes wurden auf abgedrehte Lokräder aufgezogen und diese auf die Antriebswelle des Motorblockes montiert. Der Block seinerseits hängt pendelnd im Fahrgestellrahmen eines Hilfswagens (4011) zwischen den beiden Wagenachsen und hat ein ausreichendes

Seitenspiel für den Gleiskreis 1100 des LGB Gleissortiments.

Die Anpreßkraft der Schleifscheiben an die Schienen kann an der Oberseite des Motorblockes durch eine Rändelmutter reguliert bzw. der ganze Block über Schienenoberkante angehoben werden. Eine leichte Schrägstellung gegen die Arbeitsrichtung des Gleisreinigungszuges sowie eine Gegendrehrichtung des Reinigungsgetriebes sorgen für beste Ergebnisse der Gleisoberflächen-Reinigung.

So gut - so schön! Nach Schnee und Schmutz kam noch etwas: Der Frost! Vorher hatte es leicht getaut, dann zog es wieder an. Die Folge: Eis auf der Schienenoberkante- die Fahrstromaufnahme gleich Null. Was tun? Glysantin beseitigt Eis bzw. läßt Wasser nicht gefrieren. Wasser auf den Schienen entsteht aus verflüssigtem Schnee. Wieder wurde ein Wagen 4011 gekauft und er-

hielt neben einen Flüssigkeitstank aus Messing im Inneren des Aufbaues unter dem Wagen ein umfunktioniertes Schienenreinigungsgerät 5005 untergebaut. Die gefederten Plastik-Schleiffüße wurden gegen solche aus massivem Messing ausgetauscht um welche mittels Klemmplatten Filzstreifen eingeklemmt werden können. In jedem Schleiffuß endet ein Isolierschlauch vom Vorratsbehälter, welches überein Dampfmaschinenventil reguliert werden kann. Die nun mit Glysantin benetzten Filze wischen das Wasser von den Schienen und beschichten die Gleisoberfläche mit einem dünnen Film aus Gefrierschutzmittel. Der Vorgang muß natürlich von Zeit zu Zeit wiederholt werden.

Doch nun wollten mir die unterschiedlich aussehenden Schublokomotiven nicht mehr gefallen, auch war der gesamte Gleisreinigungszug schlecht auf den Trennabschnitten mit normaler Länge vor den Signalen unterzubringen. Ich

baute deshalb zwei FO-Schöma-Diesellokomotiven (2061) auf Zugsammelschiene um, in die ich auch die Stromaufnahme der beiden Hilfswagen einbezog. Diese Zugsammelschiene wird zwischen den einzelnen Fahrzeugen des Gleisreinigungszuges mit Klinkensteckern von 2,5 mm Durchmesser zweipolig verbunden, da die gesamte Gleisreinigungseinheit im Betrieb nie getrennt wird. Über eine entsprechende Schaltung nehmen nur die beiden jeweils in Fahrtrichtung vorne fahrenden Fahrzeuge den Fahrstrom aus den Schienen auf. Die übrigen Fahrzeuge erhalten ihre Betriebsspannung aus der Zugsammelschiene. Bei Bedarf kann bei außergewöhnlichen Verhältnissen jedes einzelne Fahrzeug noch in die Zugsammelschiene zur Stromaufnahme eingeschaltet werden.

Da meine künftige Freilandanlage eine Ringstrecke darstellen wird, genügt mir eine Arbeitsrichtung des Gleispflegezuges.

Dipl.-Ing. Hermann Riedel

LGB Depesche 66 2. Ausgabe, 1990

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