Betonmischanlage für die LGB

Als der RhB-Zementsilowagen Uce "Mohrenkopf" als LGB-Modell 4025 herauskam, stand für mich fest, für diesen wunderschönen Spezialgüterwagen ein Betonmischwerk zu bauen. In der näheren Umgebung habe ich einige Betonwerke besichtigt, die jedoch zum Teil zu modern oder in den Dimensionen zu groß waren.

Also entschloss ich mich, ein Schaufelbetonwerk zu bauen. Zunächst habe ich maßstäblich einen Plan angefertigt. Schritt für Schritt wurden die einzelnen Teile angefertigt und zusammengesetzt, bis die ganze Sache Gestalt annahm. Die Türen sind zu öffnen und mit Türschild und Klinke versehen. Schwierigkeiten machten die Motore, die alle angefertigt werden mussten. Als das Betonwerk im Rohbau stand, mußte ich feststellen, dass es im Inneren ziemlich leer aussah.

Ich bewaffnete mich mit Papier und Bleistift und besuchte nochmals einige Betonmischanlagen, skizzierte, nahm Maß und machte mit der Polaroid-Kamera Aufnahmen, denn letztendlich sollte das Innenleben meines Modells in Naturtreue dem Original um nichts nachstehen.

Nun konnte ich an die Arbeit gehen und den Mischer bauen. Als dieser fertig war, wurde er und die gesamte Mischanlage lackiert. Um die Feinheiten des Mischers zu sehen, habe ich ihn separat fotografiert.

Dann habe ich das Schaltpult angefertigt. Ich war, als ich das Original sah, beeindruckt von den vielen Lämpchen in den verschiedenen Farben. Mein Schaltpult sollte auch beleuchtet sein. Aus farbigem Kunststoffheat, wie wir ihn aus Baukästen als Abfallprodukt kennen, und Partypickern stellte ich Imitationen von Leuchtdioden her, indem ich sie erhitzte und auf Länge und Dicke zog, sie abschnitt und an einem Ende wieder erhitzte. So bildet sich eine Rundung wie bei einer Stecknadel. Im Schaltpult wurden entsprechende Löcher gebohrt, worin die Semi-LED's geklebt wurden. Ein Birnchen im Schaltpult sorgt für den Leuchteffekt. Ich habe außerdem noch Rohre mit Armaturen und Absperrhähnen installiert. Schalt- und Sicherungskästen wurden hergestellt und plaziert. Zwei Waagen wurden ebenfalls angefertigt und aufgehängt. Es fehlten nur noch die Butterbrotdose, Thermoskanne, Tasse, Untertasse mit Kaffeelöffel und Zeitungen, die - wie im Original - auf dem Schaltkasten ihren festen Platz bekamen. Ein Betonwerk in Blau/Weiß gefiel mir besonders gut. Also lackierte ich mein Modell auch blau/ weiß. Auch die beiden LGB-"Mohrenköpfe" wurden entsprechend umlackiert.

Meine nächste Überlegung war, zu dieser Mischanlage ein Betonmischfahrzeug zu bauen, oder gar zwei, und zwar einen LKW und ein Schienenfahrzeug. Einfach war es, das Fahrgestell zu bauen. Eine Grundplatte wurde ausgeschnitten, und an den Seiten wurden doppelte TTräger angeklebt. Die Bremsanlage stammt von einem LGB-Kesselwagen und wurde unter die Plattform geklebt. Von dem Kesselwagen trennte ich die Vorder- und Rückseite ab und klebte diese Teile entsprechend an die Plattform. Nun wurden von unten die Träger geklebt und zwei doppelachsige LGB-Fahrgestelle angeschraubt. An den Seiten brachte ich mit Klebstoff die Treppchen an. Im weiteren Verlauf baute ich den Mischer. Die Trommel wurde aus Kunststoffplatten gefertigt, wie auch die übrigen Teile, Der Wasserkessel wurde aus einem Pillendöschen hergestellt. Der Motor stammt aus einem LKW-Bausatz. Den Hydraulikmotor wiederum habe ich selbst angefertigt. Alle Teile sind voll beweglich. Eine LGB-Köf (2090) wurde blau/weiß umlackiert und dient als Werkslokomotive.

Beim Bau des Mischerlastkraftwagens habe ich ziemlich improvisiert. Das Fahrgestell sowie die Räder stammen aus einem Mercedes-Bausatz von Faller-Italeri. Der hintere Teil des Fahrgestells wurde abgetrennt und durch ein selbstgebautes, dem Original entsprechendes Teil ersetzt. Das Führerhaus stammt aus einem Revell Bausatz.

Die Mischanlage ist bis in das kleinste Detail dem Original nachgebaut und, bis auf den Motor aus einem Revell-Bausatz, handgefertigt. Als ich mit den Fahrzeugen fertig war, kündigte die Firma Lehmann ihren LGB-Zementmischerwagen 4055 an.

Es war jetzt der Zeitpunkt gekommen, mit dem Bau eines Dioramas zu beginnen. Die Schienen mussten verdeckt verlegt werden, da auf der Anlage vorbildgetreu viel Straßenverkehr herrschen sollte, wie z.B. LKW's, Knicklader, Bagger, Kieswagen usw. So wurde aus einer 20 mm Spanplatte der Schienenverlauf ausgefräst. In der Mitte der Schienen wurden Sperrholzbrettchen verlegt, die die Schwellen verdecken. Dazu war es allerdings erforderlich, die Brettchen wegen der Schienenkonstruktion unten ein wenig abzufräsen.

Das Diorama besteht aus vier Elementen, da die Verarbeitung in einem Stück zu aufwendig und schwierig gewesen wäre. Auf die Anlage klebte ich das Fundament für das Betonwerk. Hinter dem Betonwerk habe ich eine Waschanlage angeordnet, wie es beim Original vorzufinden ist. Nach dem Beladen werden die Fahrzeuge hier abgespritzt und gesäubert. Der Betonschlamm wird in einem Rückstaubecken zurückgehalten. In dem Wellblechhäuschen befinden sich Filter und Pumpanlagen. Vor Beendigung der Fahrt werden die Fahrzeuge hier ebenfalls gereinigt. Dazu dient auch der Mast, der oben eine Lampe hat und einen dicken Schlauch. Durch diesen gelangt das Wasser in die Trommel. Unten befinden sich die Wasserhähne und Schläuche.

Aus einem alten amerikanischen Bierkühlwagen habe ich das Büro angefertigt. Dieses wurde auf Betonpfeiler gesetzt. Eine Treppe führt hinauf, und das Dach wurde aus Kunststoffplatten hergestellt und mit Schmirgelpapier beklebt und danach lackiert. Was dem Auge auf dem Foto verborgen bleibt, ist die Büroeinrichtung, wie Schreibtische, Stühle, Aktenschränke mit Ordern, Telefone, Kasse usw.

In der Zwischenzeit erschien auch der LGB-Zementmischerwagen 4055. Die Kurbel an der Seite sieht ein wenig nach Spielzeug aus, hat jedoch die lobenswerte Funktion, die Trommel in Bewegung zu setzen. Dies machte ich mir zunutze.

Nach einigen Überlegungen baute ich den Mischer zunächst einmal auseinander und probierte, ob sich ein Getriebemotor einbauen ließe. In der Grabbelkiste fand ich jedoch aus Platzmangel nichts Geeignetes. Schließlich entdeckte ich in einem Fischertechnik- Kasten alles, was vonnöten war.

Die Handkurbel wurde abgesägt. Da hier nun ein großes Loch entstand, mußte ein Kunststoffplättchen aufgeklebt werden mit einem entsprechenden Loch in der Mitte, welches der Größe der Fischertechnik-Achse entsprach. Auf diese Achse wird das Ritzel befestigt und auf entsprechende Länge abgesägt. Ebenfalls befestigte ich auf der Achse das Zahnrad. Mit einer Grundplatte (ebenfalls aus dem Fischertechnik-Programm) schraubte ich den Getriebemotor in Position mit zwei Schrauben fest. Ich legte nun die Kette über das Zahnrad bzw. Kettenrad. In den Niederbordwagen werden zwei Löcher gebohrt. Durch diese führte ich die Anschlusskabel, die mittels zweier Stecker in den Motor gesteckt werden. Den Strom für den Mischermotor kann man durch zwei Drähte von der Lok oder durch den Einbau von einem Metallrädersatz mit Stromabnehmer aus den Schienen nehmen. Die Trommel und das Getriebe habe ich gut geölt.

Ein wenig Schotter in der Trommel gibt ein realistisches Geräusch beim Drehen. Dank Fischertechnik ist der Einbau des Getriebemotors sehr einfach. Er ist kräftig und robust und bietet genügend Spielraum. Eine Idee, die mit Sicherheit viele Nachahmer finden wird, denn es ist ein faszinierendes Erlebnis, wenn der Zug fährt und die Trommel sich dreht.

Da nicht jeder in der Lage ist, sich Fahrzeuge selbst zu bauen, muss er dennoch nicht auf einen LKW-Betonmischer verzichten. Die Firma Bruder bietet ein solches Fahrzeug an. Der Mischeraufsatz ist mit dem LGB-Mischer identisch. Ein weiterer Betonmischer ist im Spielwarenhandel erhältlich im Maßstab 1:25/24. Es handelt sich um den Toys-Betonmixer mit Kabelfernsteuerung

LGB Depesche 69 Peter Heikes 3. Ausgabe 1991

www.howibahn.de