LGB statt Kellerbar

An einem regnerischen vorweihnachtlichen Wochenende, an dem das Wetter Trübsal blies, ging ich, wie schon so oft, in meine Kellerbar mit dem Hintergedanken, hier irgendwann einmal eine LGB-Anlage aufzubauen, denn die Kellerbar wurde schon seit geraumer Zeit nicht mehr genutzt.

Nach einigen Überlegungen und Rücksprachen mit meiner besseren Hälfte wurde beschlossen, die Bar, bis auf die Theke, auszuräumen. Spontan ging ich nun ans Werk. Schnell war alles zerlegt und ausgeräumt. Aus Resten, wie Balken und Dachlatten wurde zunächst ein Grundrahmen in 80 cm Höhe verlegt.

Wie die Anlage einmal aussehen sollte, davon hatte ich schon meine feste Vorstellung. Ein wenig Erfahrung hatte ich auch schon, da ich bereits zwei HO-Anlagen gebaut hatte. Bei der LGB- Anlage war natürlich alles etwas größer. Dennoch wollte ich auf ein Gebirge mit Tunnels, Unter- und Überführung und einen Straßenverlauf mit Serpentinen und Straßentunnel sowie einen Wasserfall und kleinen See nicht verzichten.

Damit ich mich auf dem Rahmen bewegen konnte, wurde dieser zum Teil mit Spanplatten ausgelegt. Im übrigen wurde die Platte mit Styropor belegt. Danach wurde provisorisch der Schienenverlauf verlegt und die Tunnelportale von NOCH aufgestellt. So gewann ich den ersten Eindruck. Die Tunnelportale wurden wieder entfernt, und ich begann mit einer zweiten Ebene, auf der eine zweite Gleisrunde verlegt wurde. Hier sollte der Zug durch den Tunnel fahren, über ein Viadukt durch ein Tal, um dann über die LGB-Brücke wieder in den Tunnel zu verschwinden. Provisorisch wurde zuerst einmal alles hingestellt und bis auf die Brückenpfeiler dann alles wieder abgebaut.

Aus Dachlatten wurde sodann eine dritte Ebene verlegt und mit einer Plattform versehen. Hier sollte eine Berghütte stehen. Als solche diente der POLA-Warteraum 902 und der macht, wie ich später feststellte, einen recht originellen Eindruck. Von hier aus wurde nun die Bergstraße verlegt. Dachlatten und Pappstreifen wurden entsprechend angebracht. Entgegen aller Gewohnheiten fing ich mit dem Bau des Gebirges von oben an, und zwar deshalb, damit eine gute Straßen- und Serpentinenführung zustande kam. Ich hatte nicht allzu viel Platz zur Verfügung. Trotzdem durfte die Straßenführung nicht zu steil werden und die Kurven nicht zu eng, denn letztendlich sollte ein natürliches Panorama entstehen.

Das hintere Gebirge wurde erstellt, indem ich Pappe aufnagelte und mit Zeitungspapier Schicht für Schicht auflegte. Nach dem Austrocknen erreichte ich so eine ziemliche Stabilität. Weiter wurden die Gebirgswände mit Putzgips (Rotband) und Styropor geformt und noch im nassen Zustand grau gestrichen. Durch die Feuchtigkeit verlaufen die Farben, und ich erreichte so einen Übergang von dunkel nach hell, da die Farbe sich auch mit dem Putzgips vermischt. Ich erlangte so ein natürliches Aussehen der Felswände.

Der Wasserfall wurde ziemlich steil nach unten verlegt. Schritt für Schritt arbeitete ich mich nach unten. Hier und da mußte ich noch einige Änderungen vornehmen. Auch ein Parkplatz wurde angelegt und ein kleiner Steinbruch. Der Straßentunnel wurde gebaut. Dieser erhielt kein Portal, sondern sollte aussehen wie aus dem Gestein gesprengt, wie übrigens auch ein Eisenbahntunnel. Ich wollte von allem etwas in die Anlage einbringen. Ansonsten bieten sich die hervorragenden Tunnelportale von NOCH aus Hartschaum an. Sie sind stabil und sehen natürlich aus. Es gibt sie für eingleisigen und zweigleisigen LGB-Fahrbetrieb.

Unterhalb bzw. unter der Eisenbahnbrücke wurde ein See angelegt. Nachdem dieser mit Putz ausgeformt und gestrichen war, wurde er noch mit Gras, Steinen und Seerosen usw. ausgeschmückt.

Den Verlauf des Wasserfalls erreichte ich, indem ich von oben Voss-Gießharz hinablaufen ließ, und zwar so viel, dass sich auch der See zum Teil füllte. Der Gießharz wurde nach beiden Seiten verteilt, damit, wenn das Wasser hinabplätschert, der Gips nicht nass und beschädigt wird. Der See wurde mit einem Abflussröhrchen versehen, so dass ein Wasserkreislauf zustande kommen konnte. Auch am Seerand wurde das Gießharz gleichmäßig verteilt, damit das Wasser auch hier nicht den Gips beschädigen kann.

Dann ging es an den Aufbau der restlichen Anlage. Die Schienen und Weichen wurden verlegt. Ein wenig Schwierigkeiten hatte ich mit den Anschlüssen der Gleise, da im Tunnel die zweigleisige Streckenführung in einen eingleisigen Betrieb mündet, wo noch dazu im Gegenverkehr gefahren wird. Nach einigem Tüfteln erreichte ich jedoch eine einwandfreie Funktion.

Die Züge fahren automatisch. Wenn der Personenzug in den Bahnhof einläuft, fährt der Güterzug ab. Wenn dieser sich auf der Rückfahrt befindet, schaltet er den oberen Streckenverlauf ein, der Zug mit der Lok »Spreewald« kommt aus dem Tunnel, fährt über ein selbstgefertigtes Viadukt, das unter dem Wasserfall verläuft, weiter durch ein grünes Tal, passiert die LGB-Brücke und fährt wieder in den Tunnel ein. Hier geht er in Wartestellung. Die Weichen im unteren Streckenverlauf werden durch Schaltkreise automatisch umgelegt.

Die Anlage wurde mit dem POLA-Gasthaus, der POLA-Tankstelle und dem POLA-Bahnhof bestückt. Die Bäume stammen zum Teil von der Firma Haberl & Papst, jedoch habe ich auch viele Bäume, Sträucher und Blumen selbst erstellt.

Sehr gute und preislich angemessene Fertigbäume in LGB-Größe stellt auch die Firma HEKI her.

Der bislang beschriebenen Anlage gegenüber wurde in gleicher Höhe eine schmale Industrieanlage aufgebaut. So hat man, wenn man den Keller betritt, links und rechts LGB-Gleise um sich herum. Auf dem Industrieteil steht vorn der POLALokschuppen und eine selbstgefertigte Bekohlungsanlage. Im weiteren Verlauf eine DieselTankanlage, ebenfalls selbst gefertigt. Dahinter liegt das Betonwerk, das ich in LGB DEPESCHE Heft 69 vorgestellt habe. Dieses ist, wie auch ein Dampfkran, selbst gefertigt.

Ansonsten wurden noch Innen- und Außenlampen installiert.

Peter Heikes

LGB-Depesche 70 1992

www.howibahn.de